Kinderlosigkeit in Deutschland
1,4 – so lautet die Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland pro Jahr zur Welt bringt. Eine Zahl, die zu gering ist um die Finanzierung der Rentenbeiträge in Zukunft zu gewährleisten. Derzeit leisten Arbeitnehmer Beitragszahlungen direkt an den Leistungsempfänger – also an die Senioren. Bei den geringen Geburtenraten ist der sogenannte Generationenvertrag gefährdet, da es auf Grund des demografischen Wandels schier unmöglich erscheint, eine ganze Seniorengeneration zu alimentieren.
Mehr als jeder fünfte Einwohner in Deutschland ist im Rentenalter. 2009 lag die Zahl der Menschen über 65 Jahre bei 16,9 Millionen, was mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Diese Zahl wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steigt sie bis 2050 sogar auf einen Gesamtwert von über 30 Prozent.
Abgaben der Kinderlosen
Eine Idee kam nun von der „Jungen Gruppe“ der Unionsfraktion, um eine Demografie-Reserve anzulegen. Sie fordern, dass jeder Kinderlose ab einem Alter von 25 Jahren eine Abgabe an den Staat zahlen soll. Die Höhe solle sich nach dem Einkommen der jeweiligen Person richten. Derzeit ist eine Zahl von einem Prozent im Gespräch. Zudem fordert die „Junge Gruppe“, dass nicht nur Kinderlose Abgaben zahlen sollen, sondern ebenso diejenigen, die nur ein Kind haben. Sie sollen zumindest die Hälfte der Abgaben zahlen.
Das Familienministerium sprach sich gegen den Vorschlag der „Jungen Gruppe“ aus. Kristina Schröder, Bundesfamilienministerin (CDU) meint gegenüber der „Welt“ man solle Kinderwünsche befördern, statt Kinderlosigkeit zu bestrafen. Andere Oppositionsmitglieder sprachen von einer „Strafsteuer für Kinderlose“.
Debatten zugunsten der Familien
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entgegnete der „Jungen Gruppe“ mit einem Machtwort: "Ich glaube, die Diskussion der Einteilung in Menschen mit Kindern und ohne Kinder ist hier nicht zielführend." Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer entgegnete dem Vorschlag mit den Worten: "Die Einführung eines Kinder-Soli wird nicht stattfinden. Das ist kein guter Vorschlag, sondern nur Abzocke."
Die hitzigen Auseinandersetzungen im Parlament haben eine neue Debatte der Familienpolitik angeregt. Die linken Parteien und Teile der CDU sprachen im Gegenzug den Ausbau von Betreuungseinrichtungen an. Von Seiten der FDP kamen Vorschläge zu steuerlichen Vergünstigungen für den Kauf eines Familienwagens oder die Senkung der Mehrwertsteuer auf Windeln.
Das richtige Ziel der Politik
Angesichts der derzeitigen Auseinandersetzungen der Politiker sollte des Ziel jedoch nicht aus den Augen gelassen werden. Denn dieses ist doch das Umsetzen der richtigen Ansätze als auch der Anreiz, überhaupt eine Familie gründen zu wollen. Junge Menschen sind heutzutage oftmals abgeschreckt Kinder zu bekommen aus Furcht um den Arbeitsplatz oder aus finanziellen Nöten heraus. Politiker sollten Familiengründungen für junge Menschen attraktiv gestalten und nicht die Kinderlosigkeit bestrafen. Man bedenke beispielsweise die vielen Deutschen, die von ihrem Partner auf Grund beruflicher Perspektiven getrennt wohnen. Die Zahl der Single-Haushalte steigt in Deutschland zunehmend. Viele Arbeitgeber fordern von den Arbeitnehmern räumliche Flexibilität – der Kinderwunsch bleibt da oftmals auf der Stecke.
Das Ziel der „Jungen Gruppe“ ist erreicht – eine Anregung der familienpolitischen Debatten. Eine Auseinandersetzung, die bei der derzeitigen Situation dringend notwendig ist. Auch wenn die Idee der Unionsfraktion für manch Einen zu wünschen übrig lässt.
C. Biehl
16.02.2012