Am 14. Februar ist Valentinstag
Valentinstag – Zeit zum Schenken
Es ist wieder soweit, am 14. Februar wird der traditionelle Valentinstag begangen. Und das seit über
1.500 Jahren! Der Tag der Liebenden geht vermutlich auf den Bischof Valentin von Terni zurück, der als christlicher Märtyrer im Jahr 469 enthauptet wurde. Der Gedenktag wurde dann von der Kirche eingeführt, im Jahr 1969 jedoch aus dem römischen Generalkalender gestrichen. In Deutschland gewann der Valentinstag durch den Handel mit Blumen und Süßwaren an Bedeutung.
Das Ritual des Schenkens scheint bei allen Lebewesen verankert zu sein, egal ob für die Brautwerbung, als kleiner Freundschaftsdienst oder einfach nur so. Dabei gibt es natürlich kulturelle Unterschiede, die man beachten sollte. In Japan gilt es zum Beispiel als unhöflich, die Geschenke zu verpacken, da der Absender nichts verbergen möchte und sich der Beschenkte durch die Verpackung beleidigt fühlen könnte.
Der französische Soziologe Marcel Mauss schaffte im 20. Jahrhundert das Vorurteil aus der Welt, dass Geschenke eine selbstlose Angelegenheit seien. Mauss stellte die Theorie auf, dass Geschenke verpflichten. In seinem Buch „Die Gabe“ von 1925 schreibt er, dass Geschenke erwidert werden müssten und daher einen „zwanghaften und eigennützigen Charakter“ besäßen. Nach seiner Auffassung bewahrten Geschenke den Frieden innerhalb einer Gesellschaft und würden so Solidarität und Freundschaft unter den Menschen stiften.
Ganz ähnlich verhält es sich im Tierreich, denn auch Tiere haben sich die Geste des Schenkens zu eigen gemacht.
Auch Tiere machen sich Geschenke
Geschenke zu machen ist im Tierreich ein weit verbreitetes Ritual. In erster Linie geht es bei Tieren – na klar – um die Brautwerbung. Denn das Verschenken von Nahrung, wie Insekten oder Pflanzen gilt als Beweis für Zuneigung, denn Liebe geht ja bekanntermaßen durch den Magen. Diese Zeremonie wird vor allem von Vögeln, Affen, Insekten und einigen Fischarten begangen.
Der in Mitteleuropa heimische Haubentaucher zum Beispiel holt Äste vom Grund eines Sees und bietet diese seiner Partnerin an, um sie zu bezirzen und gleichzeitig Material für ein Nest zu sammeln. Der vom Aussterben bedrohte Eisvogel versucht es mit frischem Fisch, welchen er demonstrativ in Richtung seiner zukünftigen Partnerin hält, damit diese ihn besser schlucken kann. Auch einige Pinguin-Arten beschenken sich gegenseitig mit Nistmaterial, das auch dem Nachwuchs zugute kommt, da reich ausgestattete Nester besser vor Witterungseinflüssen geschützt sind.
Die für ihr Sexualleben bekannte Affenart der Bonobos im Kongo, schenken sich gegenseitig Zuckerrohrstangen als Beweis ihrer Zuneigung. Die im mittleren Afrika beheimateten Schimpansen dagegen bevorzugen süße Früchte, wie Apfelsinen und Bananen.
Des Weiteren werben Spinnenmännchen mit Brautgeschenken um ihre Angebeteten. Die Geschenke werden zudem aufwendig in Seide eingespinnt, ein Vorgang der laut Maria Albo von der Universität Aarhus den Tieren viel Zeit und Energie kostet. So versuchen die Männchen der Listspinnen ihre Gattinnen auszutricksen, indem sie anstatt einer Fliege, nur Blüten oder Speisereste in Seide verpacken. Die Forscher fanden jedoch heraus, dass bei diesen wertlosen Geschenken die Paarung früher abgebrochen wird. Die Männchen der Diebsspinnen versuchen sogar, den aufwendigen Vorgang des Beutemachens zu umgehen, indem sie Beute aus den Netzen der Artgenossen stehlen und ihrer Partnerin als Geschenk anbieten.
Ein ganz besonderes Präsent machen männliche Rollwespen ihren weiblichen Artgenossen: Zur Paarungszeit nimmt das Männchen das sonst flugunfähige Weibchen auf den Rücken und schwebt mit ihr in die Lüfte. Zur Belohnung darf das Männchen seine Gene an sie weitergeben. Auch bei einigen Fischarten ist das Ritual des Schenkens bekannt. So schenken die im Amazonas beheimateten Süßwasserdelphine ihrer Liebsten Steine, die sie vor ihr im Maul präsentieren.
Die Liebeszeremonien im Tierreich sind also ähnlich vielfältig wie bei uns Menschen. Wenn Sie also wieder einmal keine Idee haben, was Sie ihrem Partner oder ihrer Partnerin schenken sollen – alles halb so wild – die Geste zählt!
E.-M. Boßelmann
14.02.2012