Kindern eigene Verantwortung übertragen
Der Begriff „Social Media“ ist aus unserem Alltag längst nicht mehr wegzudenken. So sind 98 Prozent aller 18- bis 29-Jährigen bereits bei dem sozialen Netzwerk Facebook registriert. Gerade Kinder und Jugendliche lassen sich von der bunten Medienwelt leicht ansprechen. Doch das Internet birgt auch viele Gefahren: Versteckte Kaufverträge, einfacher Zugriff auf nicht jugendfreie Inhalte, schnelle Verbreitung von persönlichen Informationen, Cybermobbing-Angriffe – die digitale Welt von heute macht es Kindern und Jugendlichen schwer, sich angemessen in der riesigen Internetwelt zu verhalten. Dabei wir ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Medien immer wichtiger, um aus dem sozialen Medium nicht ein asoziales Spielfeld für Ungerechtigkeiten werden zu lassen. Darum sollten gerade Familien mit Kindern das Internet verstärkt in den Mittelpunkt der Diskussion rücken.
Laut einer Studie von FIM (Familie, Interaktion & Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest und des SWR, unterhalten sich nur ein Drittel aller Eltern mit ihren Kindern über die Computer- und Netzwelt. In der medialen Erziehung ihrer Kinder fühlen sich 60 Prozent „etwas kompetent“, 14 Prozent schätzen sich als „weniger kompetent“ ein und 5 Prozent fühlen sich als „gar nicht kompetent“. Nur 21 Prozent schätzen sich als „sehr kompetent“ ein. Hier besteht also ein Nachholbedarf in Sachen medialer Unterweisung.
Einheitliche Regelungen schaffen
Die EU-Initiative klicksafe initiierte den Safer Internet Day in Deutschland. Klicksafe wird von den Landesmedienanstalten aus Rheinland-Pfalz, der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) und Nordrhein-Westfalen, Landesanstalt für Medien (LfM) getragen. Das Thema ist in diesem Jahr „Verantwortung im Netz“. In Deutschland beteiligen sich über 150 Institutionen, Schulen und Unternehmen mit Aktionen und Veranstaltungen am Aktionstag, der zu mehr Sicherheit im Internet beitragen soll. Unterstützung findet das Projekt auch von bekannten Persönlichkeiten, wie dem Fernsehmoderator Jörg Pilawa und der Schauspielerin Anneke Kim Sarnau.
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Kristina Schröder ruft zu mehr Eigenverantwortung im Umgang mit den digitalen Medien auf: „Beim Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen mit dem Internet tragen alle Verantwortung - Unternehmen, Politik, Schule, Eltern aber auch jede und jeder Einzelne. Um Familien die Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen, die sie erwarten, müssen wir den Gegensatz von Eigenverantwortung und Schutz im Netz überwinden. Dafür setzen sich im Dialog Internet Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Jugendschutz ein.“
Kaum ein anderes Medium entwickelt sich so schnell weiter wie die digitalen Kommunikationsformen. Technische Neuerungen bringen viele Vorteile mit sich: Von ständiger Erreichbarkeit über Flexibilität bis hin zur Anonymität lassen sich viele Punkte aufzählen. Doch die Liste der negativen Aspekte, die die globale Vernetzung mit sich bringt ist ebenso lang. Deshalb ist es umso wichtiger, einheitliche Regelungen zu schaffen, die wieder Verantwortung und Vertrauen in der digitalen Netzwelt etablieren. Einzelne User und große Medieninstitutionen müssen sich der Herausforderung stellen eine gemeinsame soziale Haltung für ein faires Miteinander im Internet zu entwickeln.
E.-M. Boßelmann
07.02.2012