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Angststörungen als häufigste psychische Erkrankung

Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten

Nicht immer ist Angst gleich Angst. Denn manchmal wird aus dem mulmigen Gefühl, das jeder kennt, eine krankhafte Furcht. Dann liegt eine Angststörung vor.

Angst ist lebenswichtig

Die Angst ist zunächst ein ganz normales Gefühl, das neben anderen Emotionen wie Ärger, Freude, Trauer, Wut oder Liebe existiert. Für den Menschen ist sie überlebenswichtig, denn sie hilft ihm dabei, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden. Schon vor Tausenden von Jahren wurden Stresshormone im menschlichen Körper ausgeschüttet, sie signalisierten Gefahr, trieben den Körper kurzfristig zu Hochleistungen an und sicherten so sein Überleben bis in die Neuzeit. Im Alltag ist die Angst unabdingbar, um schwierige Situationen zu meistern und insgesamt besser zurecht zu kommen. Doch nicht immer ist Angst gleich Angst. Denn manchmal wird aus dem mulmigen Gefühl, das wohl jeder Mensch schon einmal hatte, eine krankhafte Furcht. Dann liegt eine Angststörung vor und die Schutzfunktion des Körpers kann so immense Ausmaße annehmen, dass das Leben stark beeinträchtigt wird.

 

Gesunde Angst als tief verwurzeltes Gefühl

Wir leben in einem Zeitalter der Angst“, heißt es. Tatsächlich ist die krankhafte Angst laut der BPtK mittlerweile die häufigste psychische Störung, die neben Depressionen und Demenz diagnostiziert wird. Trotzdem ist sie nicht grundsätzlich negativ, sondern gehört fest zum Teil des Lebensgefühls und ist ein lebensnotwendiger Anpassungs- und Lernvorgang. Sie ist die Grundlage des Selbsterhaltungstriebs und im Grunde das erste, was die Natur zum Überleben verlangt.

 

Ebenen der Angst

Geht es darum, wie sich Angst beim Menschen äußert, so wird von unterschiedlichen Ebenen der Angst gesprochen. Dabei werden vor allem zwei verschiedene Betrachtungsweisen zurate gezogen: hierbei handelt es sich zum einen um die Drei-Ebenen-Betrachtung von Lang, die 1973 publiziert wurden und die Angst in die Ebenen

 

  • Körperlich-physiologisch
  • Emotional-kognitiv
  • Behavioral-verhaltensbezogen

 

unterteilt. Darauf basierend entwickelte sich später das Vier-Ebenen-Modell, bei dem die  emotional-kognitive Ebene in zwei separate Ebenen unterteilt wird.

 

Unterschied zu einer Angststörung

Anders als beim gesunden, natürlichen Angstgefühl kann sich die Angst innerhalb einer Angststörung in kürzester Zeit stark aufschaukeln und bleibt zudem durchschnittlich lange bestehen. Ein Erklärungsmodell aus der Verhaltenstherapie erklärt, wie genau ein solcher Schub einer Angststörung aussehen kann:

 

Zunächst trifft eine angstauslösende, bedrohliche Situation ein, daraus resultieren erste Symptome wie Schwitzen und Herzrasen. Der Körper hyperventiliert schließlich und zittert. Zusätzlich setzen angsterfüllende Gedanken wie „ich werde jetzt sterben“, ich verliere die Kontrolle“ oder „ich habe einen Herzinfarkt ein. Sie verstärken die Angst zusätzlich, das Herz rast daraufhin noch schneller, die Atmung wird noch flacher. Dieser Teufelskreis ermöglicht es, dass aus der anfänglichen Angst in kürzester Zeit eine ausgewachsene Panikattacke entstehen kann.

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Die Ursachen von Angststörungen

Viele Menschen haben bereits Erfahrungen mit Ängsten oder sogar Panikattacken gemacht, trotzdem muss daraus nicht zwangsläufig eine ernsthafte Angststörung entstehen. Grund dafür ist, dass einige Menschen anfälliger für eine solche Entwicklung sind, die Auslöser sich stark unterscheiden können und die grundsätzlichen Umstände individuell sind.

 

Anfälligkeit, eine Angststörung zu entwickeln

Oftmals ist die Anfälligkeit, um eine Angststörung zu entwickeln, biologisch bedingt. So sind einige Menschen von Natur aus sehr stressempfindlich, da sie ein besonders leicht reizbares vegetatives Nervensystem besitzen. Dementsprechend kann eine Angstreaktion sehr leicht ausgelöst werden und das so stark, dass sie als bedrohliche Panikattacke erlebt wird. Geschieht dies in kurzer Zeit mehrfach hintereinander, so kann daraus über kurz oder lang eine Angststörung entstehen.

 

Anfälligkeiten entstehen darüber hinaus außerdem durch Erziehungseinflüsse oder belastende Erfahrungen in früher Kindheit. Einige Menschen lernen aus diesem Grund beispielsweise sehr früh, dass die Meinung anderer über sie wichtig ist und bemühen sich darum, möglichst immer einen guten Eindruck zu machen. Andere hingegen neigen dazu, besonders verantwortungsvoll zu sein oder sich um alles Sorgen zu machen. Auch hier spricht einiges dafür, dass diese Menschen sehr sensibel sind und daher vermutlichen ebenfalls anfällig für Phobien.

 

Auslöser, der für den Beginn der Angststörung verantwortlich ist

Neben der Anfälligkeit spielt auch der konkrete Auslöser eine entscheidende Rolle. Diese finden sich vor allem in der Lebensumwelt der Betroffenen und stellen meist belastende Ereignisse wie einen Unfall, eine Kündigung oder andere große Veränderungen im Leben dar. Auch peinliche Erlebnisse, die mit starken körperlichen Reaktionen einhergehen, können ein Auslöser sein.

 

Generell ist es die Überforderung mit der Situation, die den entscheidenden Anreiz gibt. Bei vielen Menschen ist es außerdem nicht nur ein einzelnes Erlebnis, sondern vielmehr eine tägliche Belastung, die langfristig ihren Tribut fordert. Das Resultat ist meist Stress und ist dieser zu massiv, so kann es auch zu plötzlichen körperlichen Reaktionen kommen, die als sehr unangenehm oder bedrohlich empfunden werden. Auf diese körperlichen Stressreaktionen reagieren viele Menschen mit Angst oder Panik, wobei auch hier die mehrfache Wiederholung dafür sorgen kann, dass sich die Angst zu einer Störung ausweitet.

 

Diese Anfälligkeit kann sich im Laufe des Lebens außerdem verändern, was auch erklärt, weshalb einige Menschen in frühen Jahren viel Stress aushalten können und später schon sehr sensibel auf geringste Belastungen reagieren. Mitunter kann es sogar schon der Gedanke an unangenehme Erinnerungen sein, der eine Angstreaktion ins Rollen bringt.

 

Aufrechterhaltung, welche eine Besserung verhindert

Trotz einer gegebenen Anfälligkeit muss eine Angststörung nicht zwangsläufig eintreten. Denn damit sich daraus eine Krankheit entwickeln kann, müssen auch Ursachen hinzukommen, die die Angststörung dauerhaft aufrechterhalten und daher eine Besserung behindern. Diese Faktoren sorgen dafür, dass die vorhandenen Ängste immer mächtiger werden und wie eine Art Teufelskreis wirken.

 

Tritt eine Angstattacke ein, so kündigt sie sich zunächst durch starke körperliche Symptome an. Betroffene lernen sehr schnell, auf diese Signale zu achten, sodass selbst kleine Unregelmäßigkeiten wie ein leicht erhöhter Herzschlag negativ behaftet sind und ein Gefühl der Angst mit sich bringen. Die Rede ist hierbei von sogenannten „katastrophisierenden Gedanken“. Sie führen dazu, dass die Angst vor kleinen Unregelmäßigkeiten zu noch mehr Bedenken führt. Beim Beispiel eines erhöhten Herzschlags würde dieser sich als Folge noch weiter erhöhen und auch andere körperliche Reaktionen verstärken. Auch das wird vom Betroffenen abermals wahrgenommen und als Bestätigung betrachtet, dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist. Es entsteht ein Teufelskreis aus Gedanken, Angst und Körpersymptomen, der sehr schnell in eine Angstattacke umschlagen kann und nur schwer zu vermeiden ist.

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Letztendlich ist es also ein Zusammenspiel aus individueller Anfälligkeit, auslösenden Stressoren und dem besagten Teufelskreis, der die Angsterkrankung entstehen lässt und gleichermaßen dafür sorgt, dass sie nicht überwunden werden kann. Diese Ursachen gelten für jede Form der Angststörung, ganz gleich ob soziale Phobie, reine Panikstörung oder sonstige Angstform.

Häufige Ängste des Menschen

Gerade für Außenstehende ist es oftmals schwierig nachvollziehbar, warum ein Angstpatient sich derart fürchtet und beispielsweise nicht mehr aus dem Haus gehen möchte, keine Freunde oder Verwandten besucht oder sämtliche soziale Kontakte abbricht. Dabei kann die Angst selbst sehr vielfältig und unterschiedlich auftreten, wobei einige Formen von Angststörungen besonders häufig vertreten sind.

 

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Panikattacke – plötzlich auftretende Angst

Bei einer Panikattacke handelt es sich um eine plötzlich auftretende Angst oder ein Unwohlsein mit Höhepunkt. Sie steigert sich meist innerhalb von 10 Minuten und hält mindestens vier Minuten an. Dabei treten vor allem die folgenden Symptome besonders häufig auf:

 

  • Schneller Herzschlag
  • Schwitzen
  • Zittern
  • Brustschmerz
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Derealisation, Depersonalisierung
  • Angst, Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden
  • Angst, zu sterben
  • Taubheitsgefühl
  • Kälte-/Hitzeschauer

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Agoraphobie – das Meiden von Plätzen und Menschenmengen

Bei der Agoraphobie handelt es sich um eine unbegründet starke Angst vor Plätzen, Menschenmengen oder Verkehrsmitteln. Selbst das Stehen in einer Schlange wird mit Angst verbunden und löst beispielsweise das Gefühl aus, jeden Augenblick zusammenzubrechen.
Nicht selten tritt sie gemeinsam mit einer Panikattacke auf. Betroffene vermeiden daher nach Möglichkeit öffentliche Plätze, Menschenmengen, das Reisen allein oder Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause. Ausgelöst wird eine Agoraphobie dadurch, dass die gefürchtete Situation mindestens einmal eine Panikattacke in der Vergangenheit ausgelöst hat. Das Vermeidungsverhalten belastet die Betroffenen in der Regel sehr, zumal sie sich darüber im Klaren sind, dass ihre Ängste übertrieben sind.

 

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Soziale Phobie – Angst vor sozialen Situationen, Kommunikation mit anderen

Die soziale Phobie wird auch als krankhafte Schüchternheit bezeichnet und beschreibt eine Situationsangst. Schon vor über 2000 Jahren wurde diese Form der Angst erstmals beschrieben, in der heutigen Zeit gibt es jedoch eine ungewöhnliche Zunahme. Betroffene fürchten sich vor der

 

Situation, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich peinlich oder unangemessen zu verhalten. Dementsprechend versuchen sie derartige Situationen möglichst zu vermeiden. Neben den typischen Angstsymptomen kommt es vielfach auch zu Erröten, Zittern, der Befürchtung, zu erbrechen oder übermäßigem Stuhl- und Harndrang. Die soziale Phobie stellt eine deutliche emotionale Belastung dar und ähnlich wie bei der Agoraphobie ist den Betroffenen in der Regel klar, dass ihre Ängste übertrieben oder unbegründet sind. Die Leidenszeit bei einer sozialen Phobie geht meist außerdem überdurchschnittlich lang, bis sie (wenn überhaupt) klar diagnostiziert wird. Experten vermuten, dass die Erkrankungsdauer nicht selten bei ein bis zwei Jahrzehnten liegt, da im Vorfeld meist kein Arzt aufgesucht wird. Dies liegt vor allem an der Leidensart dieser Phobie – denn die Betroffenen sind ohnehin schon „menschenscheu“ oder sehr schüchtern, sodass ihnen der Vertrauensaufbau mit einem Mediziner aus eigenen Stücken sehr schwerfällt.

 

Spezifische Phobien – Angst, die auf einzelne Situationen beschränkt ist

Zu den häufigsten Angststörungen gehört auch die spezifische oder isolierte Phobie, die sehr unterschiedlich aussehen kann. Laut Apotheken-Umschau leidet immerhin jeder Zehnte mindestens einmal im Leben unter einer solchen Angststörung. Sie beginnt meist schon im Kindesalter, kann aber ebenso gut erst deutlich später entstehen. Ganz typisch für die spezifische Phobie ist der Fokus auf ein bestimmtes Objekt, ein Tier oder eine bestimmte Situation. Betroffene können ihre Ängste daher sehr exakt eingrenzen, was für eine spätere Therapie durchaus wichtig ist. Die Auslöser können jedoch dementsprechend vielseitig und nahezu zahllos sein. Viele von ihnen kommen so häufig vor, dass sie bereits eine medizinische Bezeichnung erhalten haben – etwa die Akrophobie (Höhenangst), die Vaccinophobie (Angst vor Impfungen) oder die Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen). Einige sehr bekannte und vielfach in der Gesellschaft anzutreffende Varianten sind auch die folgenden:

 

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1. Flugangst

Die Flugangst bezeichnet die krankhafte Angst vor dem Reisen in Flugzeugen. Knapp jeder vierte Mensch leidet unter ihr, wenngleich die Phobie unterschiedlich stark ausgeprägt ist und oftmals nur für ein mulmiges Gefühl sorgt. In extremeren Fällen kann es jedoch auch zur strikten Weigerung kommen, wenn eine Flugzeugreise ansteht.
Eine Umfrage des Deutschen Flugangstzentrums ergab, dass die Befragten überwiegend Angst vor dem Ausgeliefertsein haben. Anders als etwa im eigenen Auto können sie nicht beeinflussen, was mit ihnen an Bord geschieht. Wenngleich bekannt ist, dass das Flugzeug das bei weitem sicherste Verkehrsmittel ist, so bleibt diese Angst bestehen. Ebenso sind sich die Befragten jedoch darüber im Klaren, dass ihre Flugangst nicht mit rein logischen Argumenten zu begründen ist. Je nachdem, wie stark die Flugangst ausgeprägt ist, gibt es jedoch zahlreiche hilfreiche Mittel, um die Ängste zu mildern oder die Flugzeit zu überbrücken. Patricia Furness-Smith, Psychologin und Phobiespezialistin rät im Experteninterview mit dem Reise-Profi momondo zu folgenden Tricks während des Fluges:

 

„Es gibt ganz viele Dinge, die man als Passagier tun kann, zum Beispiel ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und es mit Genussmitteln wie Kaffee, Cola, Schokolade und Alkohol nicht übertreiben. Gemütliche Kleidung ist hilfreich, tiefes und ruhiges Einatmen auch; außerdem sollte man seine Muskeln entspannen (und sich nicht an der Armlehne festklammern). So versetzt man den Körper in den Ruhemodus („Rest and Digest“), und nicht in Alarmbereitschaft („Fight or Flight“).“

 

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2. Tierphobie (z.B. Spinnen)

Gerade die sogenannte Arachnophobie, also die Angst vor Spinnen, ist beim Menschen nicht selten. Warum gerade die kleinen Gliederfüßler so viel Angst und Schrecken verbreiten, lässt sich anhand mehrerer Punkte erschließen: so sind sie für ihre Größe erstaunlich schnell und tauchen oft unerwartet auf, andererseits gelten viele Spinnenarten jedoch auch als giftig.
Im mitteleuropäischen Raum trifft dies übrigens gerade einmal auf drei Arten zu. Die Spinnenangst kann jedoch auch ein angelerntes Verhalten sein. Fürchtet die Mutter sich beispielsweise bei jeder einzelnen Spinne, so spiegeln Kinder dieses Verhalten häufig unbewusst und nehmen es sich zum Vorbild. Aber auch andere Tiere sind dafür bekannt, trotz kleiner Größe ganze Menschengruppen in Aufruhr zu versetzen. Sei es die Biene oder Wespe, die im Sommer ein wenig aufdringlich werden kann, die Schlange, die durch Gift oder Erwürgen als gefährlich gilt oder die Angst vor Haien, die insbesondere durch den Film „Der weiße Hai“ geprägt wurde – oft sind es gerade die eher unbekannten, nicht unbedingt attraktiv erscheinenden Tiere, die missverstanden und gefürchtet werden. Genauso gut kann es jedoch auch klassische Haustiere wie den Hund treffen. Die Angst liegt hierbei jedoch eher in dem Verhalten begründet, welches Kinder von ihren Eltern adaptieren. Andererseits kann jedoch auch ein schlimmes Ereignis wie etwa ein Biss dafür verantwortlich sein, dass dem besten Freund des Menschen nicht mehr recht getraut wird.

 

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3. Phobien vor Situationen im natürlichen Umfeld (z.B. Sturm, Wasser, Gewitter)

Auch natürliche oder übernatürliche Ereignisse lösen in vielen Menschen Ängste aus. Dies kann schon ein leichter Sturm sein, aber auch Gewitter, Hochwasser oder andere Naturgewalten vermitteln Unbehagen. Einerseits liegt dies darin begründet, dass die Natur kaum oder gar nicht beeinflusst werden kann und gerade imposante Naturphänomene wie etwa Blitze eine gewisse Mystik und Gefahr versprühen. Andererseits ist es jedoch ebenso das Wissen um die Auswirkungen, die Naturgewalten mit sich bringen können. Auch die aktuellen Entwicklungen bezüglich des Klimawandels fließen in diese Befürchtungen mit hinein.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsmöglichkeiten bei Phobien sind heutzutage durchaus vielseitig und bieten einen professionellen, hilfreichen Ansatz. Grundsätzlich ist jedoch die Mitarbeit des Betroffenen notwendig, was in vielen Fällen zunächst eine gewisse Einsicht voraussetzt. Sinnvoll ist dabei zunächst der Besuch beim Arzt, der die vorhandene (oder nicht vorhandene) Phobie in einem persönlichen Gespräch genauer ermitteln kann.

 

Viele Betroffene lassen sich nicht behandeln

Zwar sind Phobien heutzutage weit verbreitet, dennoch sind in klinischen Praxen kaum Betroffene anzutreffen. Nur wenige von ihnen arbeiten aktiv gegen ihre Ängste, dies gilt insbesondere für die sozialen Phobien. In anderen Bereichen wie den spezifischen Phobien ist es hingegen so, dass viele Patientin ihre Ängste noch weitestgehend umgehen können und es daher nicht als notwendig erachten, sich medizinisch helfen zu lassen.

Diagnose durch Interview mit dem Arzt und Selbstbeurteilung

Eine Diagnose wird durch den Arzt im persönlichen Gespräch gestellt. Dabei versucht er die genauen Ängste des Patienten zu erkennen und greift dabei auf eine Mischung aus standardisierten Fragen, Einfühlungsvermögen und Erfahrung zurück.

 

  • Das strukturierte klinische Interview (SKID) ist ein anerkanntes und weit verbreitetes Verfahren, um die Diagnose anhand standardisierter Kriterien stellen. Verwendet wird es vor allem von erfahrenen Therapeuten.

 

  • Eine weitere Möglichkeit stellt die Selbstbeurteilung dar, die mithilfe eines speziellen Fragebogens durchgeführt wird. Das eigene Verhalten wird dabei kritisch hinterfragt, indem die Symptome genau beobachtet und anschließend detailliert aufgeschrieben werden. So kann der behandelnde Arzt noch genauer ermitteln, welche Beschwerden vorliegen und wie dem Patienten am besten geholfen werden kann. Vor allem lassen sich Erkrankungen, die eventuell in Betracht gezogen werden, auf diese Weise ausschließen.

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Therapien gegen Angststörungen

Die Therapie einer Phobie kann auf verschiedene Arten erfolgen, in der Regel sind jedoch eine Psychotherapie und gegebenenfalls auch eine medikamentöse Behandlung enthalten. Wird zu Medikamenten gegriffen, so sind dies häufig Antidepressiva, in seltenen Fällen werden auch Angstlöser (Anxiolytika) verschrieben. Darüber hinaus gibt es einige bewährte Standardmethoden, die den Schwerpunkt vieler Angsttherapien bilden:

 

 

1. Modelllernen

Das Modelllernen ist ursprünglich auch für die Entstehung einer Phobie verantwortlich, daher kann es ebenfalls genutzt werden, um diese wieder zu „verlernen“. Hierbei gilt, dass Personen die Verhaltensweisen anderer durch das Beobachten übernehmen und erlernen. In der Therapie kann die betroffene Person sich diesen Fakt zunutze machen. So beobachtet sie beispielsweise den Therapeuten dabei, welche Verhaltensweisen er in der spezifischen, angstbesetzten Situation zeigt. Zusätzlich kann eine verbale Erklärung diesen Effekt verstärken. Letztendlich sieht der Patient so, dass die angstbesetzte Situation nicht die immensen negativen Folgen hat, die eigentlich erwartet wurden.

 

 

2. Desensibilisierung

Eine weitere Maßnahme ist die Desensibilisierung. Hintergrund ist der, dass das Erlernen und Anwenden von Entspannungsmaßnahmen die Angst in einer spezifischen Situation ersetzen soll. Dabei wird systematisch vorgegangen, wobei drei verschiedene Phasen durchlaufen werden:

  • Entspannungstraining (Erlernen verschiedener Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training oder Atemübungen)
  • Erstellen einer Angsthierarchie (in welcher Situation verspürt der Betroffene die geringste und die meiste Angst?)
  • Eigentliche Desensibilisierung (angefangen beim geringsten Angstauslöser wird der Betroffene nun konfrontiert und nutzt die erlernten Entspannungstechniken. Dabei geht es Schritt für Schritt stetig voran, wobei die Zustimmung des Patienten stets vorausgesetzt wird)

 

Unter Verhaltenswissenschaft.de wird das Verfahren mit seinen einzelnen Stationen noch genauer erläutert.

 

 

3. Konfrontationstherapien

Konfrontationstherapien basieren wie der Name bereits vermuten lässt auf der Begegnung mit dem angstbesetzten Reiz. Dies geschieht unter bestimmten Regeln und unter Anleitung des Therapeuten, wobei verschiedene Vorgehensweisen genutzt werden können. Die Konfrontation kann entweder gedanklich oder in der Realität durchgeführt werden – Schritt für Schritt oder plötzlich und direkt. Die betroffene Person soll so lernen, in der angstbesetzten Situation zu bleiben und die körperlichen Symptome mithilfe bestimmter Übungen zu ertragen. Dies geschieht so lange, bis die Angst sich reduziert und die Situation stetig weniger schlimm erscheint. Zum Einsatz kommt dabei beispielsweise häufig eine Reizüberflutung ohne langsames Heranführen und mit direkten starken Angstauslösern.

 

 

Zusammenfassung

Grundsätzlich sind Angststörungen individuell zu betrachten und umfassen je nach Betroffenen verschiedene Symptome und unterschiedliche Schweregrade. Grundsätzlich gilt jedoch, dass nahezu jede Form einer Phobie behandelbar ist und mit der richtigen Methode gute Erfolge erzielt werden. Unverzichtbar ist dafür jedoch die aktive Mithilfe des Betroffenen, angefangen beim Besuch bei einem spezialisierten Mediziner bis hin zur Teilnahme an entsprechenden Therapiemaßnahmen.

 



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