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Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur

Gründe und Voraussetzungen für eine Kur mit Kind

Die Vater-Kind-Kur ist eine vorbeugende Maßnahme, an die Eltern nicht erst zu spät denken sollten. In Abgrenzung zum Alltag tut sie Körper und Seele gut.

Das böse Wort Doppelbelastung beschreibt in unserer modernen Welt nicht mehr nur die Lebensumstände der berufstätigen Mütter. So langsam rücken auch die an Väter gestellten Herausforderungen in den Fokus von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Natürlich gerät auch der männliche Part ins Trudeln, wenn er (mehrere) Kinder zu betreuen hat, während er möglicherweise Vollzeit arbeitet und/oder die eigenen Eltern pflegt. Noch schwieriger werden diese Aufgaben nach einer Trennung. Mittlerweile ist jede*r fünfte Alleinerziehende ein Vater. Doch während Müttern die Mutter-Kind-Kur präsent zu sein scheint, kommen Männer meist erst auf die Idee, wenn sie die Grenze ihrer Kräfte schon erreicht haben.
Dabei kann die Vater-Kind-Kur vorbeugend auf Gesundheit und seelische Balance wirken. Sie ist eine medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahme.

Gründe für eine Vater-Kind-Kur

Verschiedene Umstände im Leben von Vätern (und Müttern) können zu Gefühlen der Überforderung führen. Die häufigsten Themen sind beruflicher Stress, Zeitdruck, Krankheit, Erschöpfung und Probleme in der Familie.
Wichtig ist, dass Väter ihre Symptome oder auch die ihrer Kinder früh erkennen. Häufig wirkt die Familie insgesamt unausgeglichen. Auch der Körper sendet mitunter seine Signale: Atemwegs- oder Hauterkrankungen können die Folge sein.

In Kurkliniken wird eben diesen Symptomen auf den Grund gegangen. Fachärztliches, psychologisches, (sozial-)pädagogisches und/oder physiotherapeutisches Personal behandelt gemeinsam mit Vätern (und Kindern) Probleme in der Lebensführung, Anpassungs- und Entwicklungsstörungen oder körperliche bzw. psychische Erkrankungen.
Väter bekommen die Zeit, sich selbst zu hinterfragen und Lösungsansätze für die Rückkehr in den Alltag zu entwickeln. Auf einer Vater-Kind-Kur tanken alle Beteiligten neue Kraft und finden Zeit füreinander.

Warum Väter zögern

Einige Väter glauben, sie können sich auf einer Kur gemeinsam mit dem Kind nicht erholen. Eigentlich wird aber hier die Bindung zueinander gestärkt und der Alltag besprochen, damit auch nach der Rückkehr ein entspannter Umgang möglich bleibt.

Sicherlich zögern viele Väter aber vor allem, eine Vater-Kind-Kur zu beantragen, weil sie sich inmitten von Müttern unwohl fühlen würden. Der Großteil der Kuren mit Kind wird tatsächlich von Müttern beantragt. Gleichzeitig gibt es mittlerweile einige Kliniken, die sich auf Vater-Kind-Kuren spezialisiert haben. Eine gute Recherche hebelt also auch diese Sorge aus.
Zuletzt sind Väter (wie auch Mütter) besorgt um ihren Jahresurlaub. Doch laut §9 des Entgeltfortzahlungsgesetzes ist der Arbeitgeber bei einer medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation dazu verpflichtet, Mütter und Väter unabhängig vom Jahresurlaub freizustellen.

Beantragung einer Vater-Kind-Kur

Beratungsstellen des Müttergenesungswerks, wie zum Beispiel die Caritas, Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz oder die Diakonie, sind Anlaufpunkte, bei denen Männer eine Vater-Kind-Kur beantragen können.

Die wichtigsten Voraussetzungen für die Vater-Kind-Kur sind folgende:

  • Es muss eine ärztlich bestätigte Kurbedürftigkeit vorliegen. Das heißt, Sie brauchen ein Attest.
  • Eine Versorgung des Kindes/der Kinder zuhause ist ausgeschlossen bzw. eine Trennung vom kurbedürftigen Elternteil unzumutbar, oder aus ärztlicher Sicht liegt auch für das Kind/die Kinder eine Behandlungsbedürftigkeit vor.

Der erste Schritt im Antragsverfahren ist der Anruf bei der Krankenkasse. Von ihr bekommen Väter alle nötigen Unterlagen zugeschickt, die sie dann mit zu ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin nehmen. Dort erhalten Väter alle nötigen Atteste. Wenn der Nachwuchs selbst gesund ist, wird die Mitnahme eines oder mehrerer gesunden/r Begleitkind/er beantragt.
Wird die Vater-Kind-Kur genehmigt, wählt i.d.R. die Krankenkasse die Klinik aus. Trotzdem können im Antrag teils Wünsche angegeben werden. Die Anreise wird im Regelfall von der Kasse übernommen. Dafür müssen die entsprechenden Reisetickets im Nachgang eingereicht werden.

Schon gewusst?

 

  • Vater-Kind-Kurmaßnahmen sind in den §§ 24 und 41 SGB V gesetzlich festgeschrieben.
  • Die Regeldauer einer Mutter/Vater-Kind-Kur beträgt 21 Tage.
  • Auch, wenn Krankenkassen jährlich etwa 13 Prozent der Anträge ablehnen, lohnt ein Widerspruch. Schließlich sind sie id.R. dazu verpflichtet, die Kur zu genehmigen.
  • Die gesetzliche Zuzahlung für Eltern beträgt pro Tag 10 Euro. Der Rest wird von den Krankenkassen übernommen.
  • In den Sommermonaten sind die Kliniken häufig stark belegt. Eine individuelle Betreuung ist eher zu anderen Jahreszeiten gewährleistet.
  • Kinder bis 12 Jahre dürfen mit zur Kur und erhalten ggf. schulbegleitenden Unterricht.
  • Während der Kur besteht häufig ein Anspruch auf eine Haushaltshilfe.

 





Kommentare
  1. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Seife | Freitag,Oktober 06.2017

    HalloDas klingt ja alles gut und schön. Nur leider sieht die Realität anders aus. Eine Kur soll die Bindung stärken.Was ist mit Vätern, die getrennt von dem Kind leben? Ich kann meinen Sohn nur alle zwei Wochen übers Wochenende sehen. Er und ich leiden sehr unter der Trennung.Deswegen habe ich eine Vater-Kind-Kur beantragt. Jetzt teilte man mir mit,daß wäre nicht möglich und auch gesetzlich vorgeschrieben, es müsse das Kind im Haushalt leben.Ich kann das nicht verstehen. Ist das wirklich so? Mit freundlichen Grüßen Maik

  2. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Papa Joe | Donnerstag,Januar 25.2018

    Hallo Maik,in Zeiten von Gleichstellungsgesetzen jeglicher couleur und en masse, bleibt der Vater doch der diskriminierte Elternteil!Mir geht es ebenso, aber Rücksichtnahme – ganz zu schweigen von einem progressiven Umdenken – ist anscheinend nicht zu erwarten: Väter haben nach wie vor nur Pflichten, keine Rechte…MfG, Papa Joe.

  3. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Mimi | Mittwoch,April 04.2018

    hallo ihr Beiden, leider ist es hier so lausig, aber wenn das Kind selber eine Indikation hat, also kur-bedürftig ist mit ärztlichem Attest sollte es doch möglich sein. Ein Versuch lohnt sich vielleicht, ich drück die Daumen. Bitte schreibt eure Erfahrungen, ich habe auch so einen amen Papa zu Hause.Stiefmutter Mimi

  4. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Murksipurksi | Freitag,November 23.2018

    Also hier einmal meine Sicht der Dinge. Ich lebe seit letztem Jahr von meinem Mann getrennt und unsere beiden gemeinsamen Kinder leben bei mir. Gestern kam mein Ex damit, er wolle mit den Beiden eine Vater-Kind-Kur machen. Bevor ich meine Meinung hierzu kundtue möchte ich erwähnen, dass er die Möglichkeit hätte, seine Kinder jederzeit zu sehen. Diese nutzt er leider nur sehr selten und für ihn scheint die Zwei-Wochen-Regelung in Stein gemeißelt.Warum also muss er mit seinen Kindern eine Kur machen, anstatt einfach mal eine Woche mit ihnen normal in Urlaub zu fahren? Hier drängt sich mir der Verdacht auf, dass er die Kur einfach als günstige Urlaubsmöglichkeit sieht. Ich will hier keinem etwas unterstellen, aber warum muss jemand, der seine Kinder nur alle zwei Wochen betreut, eine Vater-Kind-Kur beantragen? Jeder Fall ist individuell und jeder hat seine Sicht der Dinge. Aber sollte er mit dem Antrag Erfolg haben, hätte ich null Verständnis dafür.

  5. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    andre | Mittwoch,Mai 01.2019

    Unfassbar , wie man sich darüber aufregen kann , die Kur nicht genehmigt zu bekommen wenn die Kinder garnicht bei einem Leben… Die Leute die sich rund um die Uhr um ihre Kinder kümmern brauchen so eine kur ,wochenendeltern im zwei Wochen rhythmus nicht. Vielleicht sollte ihr eurer Pflichten als Eltern erst Mal öfter als alle zwei Wochen war nehmen…

  6. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Sven | Donnerstag,Mai 09.2019

    Hallo zusammen. Ich bin seit knapp 2 Jahren alleinerziehend mit meinem Sohn,5 Jahre. Wir haben von Geburt an eine unheimlich innige unzertrennliche Bindung. Bei der Mutter war es nie so,bedingt durch psychische Krankheiten. Ich bin selbstständig,auch schon vor der Geburt aber mittlerweile geht es auch nicht mehr anders,Thema Flexibilität. Würde sowas sehr gerne in Anspruch nehmen,gibt es da Erfahrungswerte bei Euch?

  7. Nicht nur für Mütter: Vater-Kind-Kur
    Mirko | Freitag,Juni 28.2019

    Ich habe von diesen kuren schon gehört aber nie darüber groß nachgedacht. Ich erziehe meinen Sohn nun seit Dezember 2018 komplett alleine, außer der Tagesmutter und Oma/Opa kennt er keinen groß weiter. Nun meine Frage, sind das für mich gute Vorraussetzungen das ich mal mit dem kleinen Mann (18 Monate jung) mal eine Kur machen kann? Wenn ja welche Regionen sind denn da so zu empfehlen?

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