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Großstadt versus Vorort: Wo leben Familien mit Kindern besser?

15 Großstadtregionen im Vergleich

Betreut.de vergleicht die 15 größten deutschen Städte mit ihren umliegenden Ortschaften und zeigt, wo Familien mit Kindern die besseren Bedingungen vorfinden.

Großstadt, Vorort oder ländlicher Raum? Die Frage, wo es sich besser lebt, spaltet seit jeher die Deutschen. Zwar besteht bundesweit noch immer ein starker Trend zum Leben in der Stadt, doch seit einiger Zeit macht sich auch eine Gegenbewegung bemerkbar: Nicht nur die ländlichen Gemeinden verlieren an Bevölkerung, sondern auch die Metropolen. Aus den größten deutschen Städten ziehen mittlerweile immer mehr Deutsche weg als neu hinzukommen.

Inzwischen ist bekannt, dass Re- und Suburbanisierung keine Entweder-Oder-Phänomene mehr sind, sondern zwei Entwicklungen, die derzeit parallel stattfinden. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung sieht die Ursache hierfür im unterschiedlichen Verhalten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Während die jüngere Generation zwecks Ausbildung, Berufseinstieg und Karriere vornehmlich in die Großstadt zieht, weichen Familien stärker in kleinere und mittelgroße Städte des Umlands aus.

Ob Familien mit Kindern in Vororten tatsächlich bessere Bedingungen vorfinden als in Großstädten, muss jedoch je nach Region individuell betrachtet werden. Zu diesem Ergebnis kam die erstmals 2017 veröffentlichte Großstadt-Vorort-Analyse von Betreut.de, die die größten deutschen Städte und deren umliegende Ortschaften hinsichtlich relevanter Faktoren für Familien verglichen hat. Danach können sich die Vor- und Nachteile der jeweiligen Stadtgebiete und die Ausprägung ihrer Differenzen mitunter deutlich unterscheiden. Nicht überall ist das Umland die bessere Wahl.

In der Neuauflage dieser Studie wurden die Daten aktualisiert und um zusätzliche Großstadtregionen und Analysefaktoren erweitert. Folgende Vergleichskriterien wurden einbezogen: Wohnverhältnisse, Kinderbetreuung, Schule & Bildung, die Beschäftigungslage, Ruhe & Beschaulichkeit, Freizeitangebote sowie Sicherheit & Gesundheit.

 

Die Auswertungen der einzelnen Großstadtgebiete finden Sie auf den folgenden Unterseiten:

Berlin




Hamburg




Köln




München




Frankfurt am Main




Stuttgart




Düsseldorf




Dortmund




Essen




Leipzig




Bremen




Dresden




Hannover




Nürnberg




Duisburg




Weiterführende Artikel

  • Experteninterview mit Dr. Laura Castiglioni, Familienforscherin am Deutschen Jugendinstitut und Leiterin der Fachgruppe „Familienpolitik und Familienförderung“ über ihre Einschätzung Deutscher Städte hinsichtlich der Lebensbedingungen für Kinder und Familien.
  • Persönliche Gedanken und Erfahrungen zu den optimalen Lebensbedingungen für Familien mit Kindern von der Betreut.de-Familienexpertin Katrin Lewandowski.

Methode

Die Studie bezieht sich auf die 15 größten Städte Deutschlands und deren suburbanes Umland. Als Vorortregion wurden für die einzelnen Großstädte zehn der am nächsten liegenden Orte mit weniger als 100.000 Einwohnern bestimmt, die sich nicht weiter als 20 Kilometer von der Großstadt entfernt befinden (Ausnahme: in Essen fallen nur 8 Vororte in die genannten Kriterien).

Für die Analyse wurden die Großstädte ihrem Umland gleichwertig gegenübergestellt und in sieben Kategorien miteinander verglichen: Wohnverhältnisse, Kinderbetreuung, Schule & Bildung, Arbeitslage, Freizeitangebote, Natur & Beschaulichkeit sowie Sicherheit & Gesundheit.

  • Die Wohnverhältnisse setzen sich zusammen aus der Höhe der durchschnittlich gezahlten Miet- und Kaufpreise der Immobilien pro Quadratmeter für 60 Quadratmeterwohnungen (Quelle: wohnungsboerse.net, Jahr: 2018 bzw. aktuellster verfügbarer Wert) und der durchschnittlich bewohnten Fläche einer Familie mit Kind (in Wohngebäuden ohne Wohnheime) (Quelle: Zensus 2011). Die einzelnen Städte schneiden demnach gut ab, wenn die Miet- und Kaufpreise der Immobilien niedrig sind und den Familien eine möglichst große Wohnfläche zur Verfügung steht.
  • Für die Kategorie „Kinderbetreuung“ wurden sowohl Tageseinrichtungen als auch private Anbieter betrachtet. Zur Analyse der Tageseinrichtungen, wie Kitas und Horten, wurde die Anzahl der genehmigten Plätze für Kinder bis 14 Jahren im Verhältnis zur Anzahl der Kinder insgesamt sowie die Anzahl des pädagogischen Personals im Verhältnis zu den Betreuungsplätzen einbezogen (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Statistik der Tageseinrichtungen für Kinder“, Stichtag: 01.03.2017). Letzteres wurde dabei als Kriterium für die Kitaqualität bestimmt. Die privaten Kinderbetreuer umfassen alle bei Betreut.de registrierten Babysitter, Tagesmütter, Nannys und Leihomas, die sich im Jahr 2017 auf mindestens eine Stelle als Babysitter, Tagesmutter, Nanny oder Leihoma beworben haben (Quelle: Unternehmensinterne Daten von Betreut.de, 2017). Auch diese wurden ins Verhältnis mit der Gesamtanzahl der Kinder (von 0 bis unter 14 Jahre) pro Stadt gesetzt. Je geringer die Anzahl der Kinder pro Betreuungsanbieter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern ihre Kinder in der gewünschten Betreuung auch tatsächlich und schnell unterbringen können.
  • Die Kategorie „Schule und Bildung“ setzt sich zusammen aus der Schuldichte und der Schulqualität. Die Schuldichte gilt als Indikator für die Länge des Schulweges und bezieht sich auf die Anzahl an Schulen im Verhältnis zur Gesamtfläche (Quelle: Statistiken der Länder zur „Anzahl, Schulform und Trägerschaft der allgemeinbildenden Schulen“ für das Schuljahr 2015/2016 aus der kommunalen Bildungsdatenbank). Um Aufschluss über die Schulqualität der einzelnen Städte zu erhalten, wurden für allgemeinbildende Schulen die Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss und die Anzahl der Absolventen mit allgemeiner Hochschulreife betrachtet (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Statistik der allgemeinbildenden Schulen“, Schuljahr: 2016/2017). Als weitere Kriterien wurden die Übergangsquote von der Grundschule auf das Gymnasium (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Übergangsquote von der Grundschule auf weiterführende Schulen“ für das Schuljahr 2016/2017) sowie die Anzahl der Klassenwiederholungen einbezogen (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Anzahl der Klassenwiederholungen“ für das Schuljahr 2016/2017). Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die einzelnen Werte ins Verhältnis mit ihrer jeweiligen Grundgesamtheit gesetzt. Für eine gute Schulqualität sprechen also möglichst wenig Schulabgänger ohne Abschluss, eine Vielzahl an Abiturienten, eine hohe Übergangsquote von der Grundschule aufs Gymnasium und möglichst wenig Klassenwiederholungen.
  • Für die Kategorie „Beschäftigungslage“, wurde die Quote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort (Quelle: „Statistische Ämter des Bundes und der Länder“, Stichtag: 30.06.2015) gemessen. Diese ist besonders bei einem Arbeitsplatzwechsel relevant. Je mehr Beschäftigte, desto mehr Arbeitsplätze, desto größer die Chancen, eine neue Anstellung in der Nähe zu finden.
  • In der Kategorie „Freizeit“ wurden die öffentlichen Spielmöglichkeiten, wie z.B. klassische Spiel-, Ball- und Skateplätze (Quelle: spielplatznet.de; Abruf: Juli 2018), Schwimmbäder (inklusive Strandbäder) (Quelle: ab-ins-schwimmbad.de, Abruf: August 2018), Sportvereine (Quelle: Angaben der Landessportverbände und Gemeinden, Abruf: Juli 2018) und Kinos, gemessen an den Kinositzplätzen (Quelle: kinofans.com, Abruf: Juli 2018), einbezogen. Die einzelnen Werte wurden ins Verhältnis mit der Anzahl der Kinder pro Stadt gesetzt. Je mehr Freizeitangebote den Kindern zur Verfügung stehen, desto besser.
  • Für ein gutes Abschneiden in der Kategorie „Natur und Erholung“ wurde ein möglichst hoher Anteil an Erholungsflächen (inklusive Grünflächen), Wäldern, Gewässern und Landwirtschaftsflächen (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“, Stichtag: 31.12.2015) sowie eine möglichst geringe Bevölkerungsdichte (= Anzahl der Einwohner im Verhältnis zur Gesamtfläche; Quellen: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Bevölkerung nach Geschlecht, Stichtag: 31.12.2016) bestimmt.
  • Die Kategorie „Sicherheit & Gesundheit“ bezieht sich zum einen auf die begangenen Straftaten (Quelle: „Polizeiliche Kriminalstatistik, V1.0, Bundeskriminalamt, Jahr: 2017) und die Straßenverkehrsunfälle (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, „Straßenverkehrsunfälle, verunglückte Personen“, Jahr: 2016) pro Kopf. Für ein gutes Abschneiden der Städte sollte die Wahrscheinlichkeit, selbst in eine Straftat oder einen Unfall verwickelt zu werden, möglichst niedrig sein. Für den Aspekt „Gesundheit“ wurde außerdem die Anzahl der Fachärzte für Kinder- und Jugendmediziner einbezogen (Quelle: Arztsuchverzeichnisse der Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder, Abruf: Juli 2018). Die Referenzgruppe bildete hier die Anzahl der Kinder pro Stadt. Je größer die Dichte an Kinderärzten, desto geringer sind die Wartezeiten bzw. desto mehr Zeit kann sich der Arzt für die Behandlung der einzelnen Kinder nehmen, so die Annahme.

 

Im Vergleich zur Vorjahresanalyse haben sich kleinere Änderungen und Erweiterungen in den Kategorien und Quellen ergeben, sodass die Ergebnisse nicht direkt für einen Jahresvergleich geeignet sind.

Einige der verwendeten Daten (insbesondere die Kriminalitätsstatistik sowie die Daten zur Berechnung der Schulqualität) lagen lediglich auf Ebene der Landkreise vor. Diese wurden mit der Einwohnerzahl auf die Größe der jeweiligen Vororte umgerechnet und entsprechend gewichtet.

Beim Vergleich der Großstädte mit ihrem Vorortkonglomerat wurde die prozentualen Differenzen der Abweichung ermittelt. Diese dienten als Grundlage für die finale Bilanz, wo Familien mit Kindern letztendlich besser oder schlechter aufgehoben sind. Diese errechnet sich aus dem Mittelwert der einzelnen Kategorieergebnisse. Jede Kategorie wurde gleichwertig gewichtet.

Die Studie darf lediglich als deskriptive Auswertung der vorhandenen Daten verstanden werden. Da die Analyse immer auf das gesamte Stadtgebiet bezogen ist, können sich die Daten innerhalb der einzelnen Stadtteile unterscheiden und zudem vom subjektiven Empfinden des Einzelnen abweichen.



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