28 Jahre vereintes Deutschland: Politische Themen immer wichtiger in der Kindererziehung


Berlin, 25. September 2018. Die deutsche Wiedervereinigung ist inzwischen knapp 30 Jahre her – ein politisches Großereignis, das Geschichte geschrieben und Menschen vereint hat. Zwei Generationswechsel haben stattgefunden und das gesellschaftliche Leben hat sich seitdem stark verändert. Ein Jahr nach der Bundestagswahl wird die sogenannte Politikverdrossenheit der 2000er Jahre aufgrund der aktuell aufgeheizten politischen Lage in Deutschland wieder durch mehr politisches Engagement, öffentliche Diskussionen um gesellschaftliche Probleme und Demonstrationen abgelöst. Und je mehr Politik wieder an Bedeutung gewinnt und ins Zentrum der Öffentlichkeit rückt, desto mehr werden auch Eltern mit Fragen zu politischen Themen konfrontiert. Betreut.de hat sich anlässlich des Tags der Deutschen Einheit genauer angeschaut, welche Rolle politische Themen für Familien heute spielen, ob es diesbezüglich Generationsunterschiede gibt und ob der Wohnort den Umgang mit politischen Themen beeinflusst.

Eltern der Wendegeneration sprechen mit ihren Kindern am häufigsten über Politik

Von den 810 von Betreut.de befragten Männern und Frauen gehören 404 der sogenannten Generation X (geboren zwischen 1965 und 1979) und 406 der sogenannten Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1994) an. Was der Vergleich der Generationen verrät: Eltern der Generation X besprechen häufiger politische Themen mit ihren Kindern, verstärkt sogar in den neuen Bundesländern. Konkret abgefragt wurden in diesem Zusammenhang, ob Eltern mit ihren Kindern über Ereignisse wie Wahlen oder Volksbefragungen (Generation X 64%, Generation Y 35%), Terrorismus (Generation X 66%, Generation Y 39%) und die Flüchtlingskrise (Generation X 68%, Generation Y 43%) sprechen. Ob Eltern über diese Ereignisse sprechen ist überraschenderweise nicht allein eine Frage des Alters ihrer Kinder - zumindest nicht für diejenigen, die dies tun. Eltern, die nicht nur der Generation X, sondern gleichzeitig auch der sogenannten Wendegeneration der 1971-1976er angehören, engagieren sich am stärksten, wenn es darum geht, mit ihren Kindern über politische Themen zu sprechen.

Eltern wollen Kinder für Weltgeschehen sensibilisieren

Für zwei Drittel der Eltern, die mit ihren Kindern über Politik reden, ist die Hauptmotivation dafür, dass sie wollen, dass die Kinder allgemein verstehen, was in der Welt passiert. Das Thema Flüchtlingskrise beispielsweise hat einen großen Teil der gesellschaftlichen Diskussion eingenommen, viele Flüchtlinge sind minderjährig und schulpflichtig. Dadurch erreicht es auch ganz unmittelbar Kinder – sei es im Kindergarten oder in der Schule. „Es geht nicht mehr um das Ob es Kindern erklärt werden sollte, sondern um das Wie. Wichtig ist, auf altersgerechte Art Verständnis füreinander auf- und Berührungsängste abzubauen. Je jünger die Kinder sind, desto mehr gilt, sie mit behutsam gewählten, einfachen und dosierten Worten an politische Themen heranzuführen – wenn überhaupt“, so Monka Gabriele Nehring, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Berlin. „Kinder im Kindergartenalter oder jünger sollten von politischen Ereignissen und Nachrichten ferngehalten werden. Es Bedarf keiner Aufklärung in diesem Alter. Das überfordert sie eher.“ Das deckt sich auch mit den Ergebnissen der Studie. Durchschnittlich fangen die Eltern an über politische Themen mit ihren Kindern zu sprechen, wenn diese sechs Jahre alt oder älter sind. „Generell ist darauf zu achten, dass Eltern ihre Kinder nicht mit ihren eigenen Ängsten und Befürchtungen belasten, sondern Zuversicht und Zukunftsvertrauen ausstrahlen“, rät Nehring weiter.

Aus der Befragung geht ebenfalls hervor, dass Eltern, die mit ihren Kindern in der Stadt, der Vorstadt oder am Stadtrand leben, politische Themen häufiger besprechen. Dabei ist die Flüchtlingskrise das meist besprochene Thema (Stadt: 56%, Vorstadt/Stadtrand: 60%, Land: 41%). Auch fühlen sich diejenigen, die in der Stadt leben, stärker von internationalen, politischen Themen betroffen. Knapp die Hälfte gibt an, dass die letzten terroristischen Ereignisse sie hinsichtlich der Ferien- und Reiseplanung beeinflussen.

Berlin ist Politikhauptstadt

Die Betreut.de-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Politik die größte Rolle unter den Berliner Befragten spielt. Innerhalb der Generation X sind 80 Prozent der befragten Berliner und innerhalb der Generation Y sogar 73 Prozent der befragten Berliner der Meinung, politische Themen gehören zur Kindererziehung dazu und sollten Teil von Familiengesprächen sein. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat Berlin eine Schlüsselfunktion. Das lässt den Schluss zu, dass es Berliner Eltern besonders wichtig ist, ihre Kinder frühzeitig abzuholen und Themen wie Wahlen, Terrorismus und Flüchtlingskrise zu besprechen.


Umfrage der Care.com Europe GmbH/Betreut.de zum Familienleben in Deutschland

  • Typ: quantitative Online-Befragung (CAWI=Computer Assisted Web Interviews)
  • Teilnehmer: 810 Frauen und Männer in Deutschland im Alter von 19 bis 50 Jahren
  • Zeitraum: September 2017
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