Kinder und Hausarbeit – Sollten wir ihre Unterstützung erwarten?

Es war einmal, vor langer Zeit, da schickte man Kinder in den Kamin hinauf mit dem Hinweis, erst dann herunterzukommen, wenn es zu heiß wird. Niemand weiß mehr so genau, was sie da oben taten, aber ich würde tippen, dass die Erwachsenen einfach in Ruhe Karten spielen wollten.


Heutzutage ist eine solche Grausamkeit Kindern gegenüber natürlich verpönt – was das Leben der Kinder einen Tick besser und das der Eltern ein gutes Stück härter macht.

 

Die lästige Pflicht

Aber jetzt mal ganz im Ernst, ich werde häufig auf das Thema Haushalt bzw. „lästige Haushalts-Pflichten“ angesprochen und ob Kinder a.) dabei mithelfen sollten und b.) dafür eine Kleinigkeit bezahlt bekommen sollen, falls sie es tun. Laut einer aktuellen Studie von Care.com benötigen 41 Prozent der Eltern heute Unterstützung im Haushalt, bei der Kinderbetreuung und sonstigen alltäglichen Aufgaben. Kein Wunder, dass wir dabei auch auf die Unterstützung durch unsere Kinder zurückgreifen. Aber: Sollten die Kinder dafür etwas bezahlt bekommen? Und wenn ja, wie viel?

 

Klar, um auf diese Frage eine vernünftige Antwort geben zu können, müssen selbstverständlich das Alter und die körperlichen und mentalen Voraussetzungen der Kinder berücksichtigt werden. Das Baby die Wäsche machen zu lassen, während sein zweijähriger Bruder – der Drückeberger! – die Toilette schrubbt und mal eben den Staubsauger durch das Wohnzimmer jagt, ist wahrscheinlich nicht sehr vernünftig.

 

Der Ausdruck “lästige Haushaltspflichten” vermittelt per se schon das Gefühl von enormer Mühsal und Überwindung. Ich finde, er hört sich an, als würde man beim Abwasch gleichzeitig mit einem Stock ausgepeitscht. Ich bevorzuge daher die Ausdrücke ‚Jobs‘ oder schlicht ‚Aufgaben‘.

 

Es ist nicht unmenschlich, einen Siebenjährigen zu bitten, den Tisch zu decken. Es ist nicht grausam, einen Zwölfjährigen zu bitten, sein Bett selbst zu machen oder die Spülmaschine auszuräumen. Das sind einfach Dinge, die wir alle tun, um uns gegenseitig – als „Team Familie“ – zu unterstützen.

Aber – Sollten wir Ihnen dafür etwas bezahlen?

Das Thema “Bezahlung” ist spannend. Es spaltet Eltern in zwei Gruppen: Die einen, die denken, das solche ‚Jobs‘ als selbstverständlich vorausgesetzt werden sollten und die anderen, die ihre Kinder dafür mit einem kleinen Zuschuss zum Taschengeld belohnen.

 

Die Spülmaschine ausräumen, die Wäsche falten und einen großen Berg Abwasch erledigen: bei uns zu Hause wird eine Strichliste über solche Aufgaben geführt und meine Kinder bekommen 20 pences (ca. 30 cent) pro ‚Job‘. Am Ende des Monats wird das dann zusammengerechnet und aufs Taschengeld draufgeschlagen- minus die Anzahl der Jobs, die sie sich schlicht ausgedacht haben.

 

Bei uns funktioniert dieser Ansatz gut! Es ist immens wichtig, dass Kinder schon sehr früh ein Gefühl dafür entwickeln, wie das Miteinander in einer Familie gut funktionieren kann – eben, indem jeder mithilft und etwas dazu beiträgt.

 

Außerdem macht es schlicht und ergreifend auch einfach Spaß, anderen zu helfen. Das muss nicht immer einen konkreten Grund haben.

 

Ja, das macht es in der Tat. Es gibt Kindern das Gefühl, dazu zu gehören, etwas Gutes vollbracht zu haben, und es macht sie stolz! Aber das werden sie erst wissen, wenn sie es tun.





Kommentare
  1. Kinder und Hausarbeit – Sollten wir ihre Unterstützung erwarten?
    Andreaandrea | Donnerstag,März 05.2015

    Kinder für gewöhnliches Helfen mit Geld zu bezahlen ist schlechthin demotivierend, das nennt man in den entwicklungspsychologischen Experimenten auch komumpierend, und ist kontraproduktiv für die intrinsiches Motivation, also der Motivation, etwas aus sich heraus zu tun. Hierbei wird der Grundstein dafür gelegt, dass man nur hilft, wenn man dafür etwas als Gegenleistung erwarten kann, was das Gegenteil von Altruismus ist. Haarsträubend wie hier ein“ Laie“ mit Plattitüden von einer „Expertin“ beraten wird. Gruselig. A. L. ( Psychologin)

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