Sandwich-Generation: Zwischen Kind und Kegel

Manchmal fühle ich mich wirklich wie ein Sandwich. Oder eher wie die Füllung da drin, die von allen Seiten langsam, aber sicher, liebevoll zusammengequetscht wird. Man sagt uns nach, wir gehören zur Sandwich-Generation, nicht weil wir zu viele Sandwiches verputzen, sondern weil wir ständig zwischen unseren Kindern und älteren Angehörigen – seien es die Eltern, Schwiegereltern oder ums Eck lebende Großeltern – hin und her pendeln und beide Seiten versorgen. Aber eigentlich rennen wir sowieso den ganzen Tag herum, kümmern uns, machen, tun und organisieren: von A wie Arbeit nach B wie Beliebteste Menschen (sprich: Kinder und die Familie) nach C wie Chaos daheim … und dann wieder von vorn. Und Sandwiches essen wir auch zur Genüge, manchmal sogar aus Frust. Ich habe mir mal Gedanken gemacht, wie ich meinen Alltag etwas erleichtern und mir mehr Freiräume schaffen kann. Vielleicht auch ein guter Neujahrsvorsatz für Sie?

Ein paar Gedanken zum Thema…

Bei uns zuhause ist das ungefähr so: Ich arbeite Vollzeit, mein Mann ist selbständig. Das Versorgen der Kinder und den Haushalt teilen wir uns irgendwie. Naja, mein Mann macht da schon etwas mehr, denn ich kann zum Beispiel überhaupt nicht kochen. Dafür kümmere ich mich um die Wäsche oder den leidigen Papierkram. Aber es gibt da auch noch meine Schwiegermutter, die in unserer Nähe wohnt und seit ein paar Jahren größer werdende Wehwehchen hat. In diesen Phasen braucht sie dann die Unterstützung der Familie. Denn es gibt Tage, da mag und kann sie die Wohnung gar nicht verlassen.

Hinzu kommen meine weiten Arbeitswege, die bei einem Bürotag gleich mal 2,5 Stunden fressen. Diese Zeit fehlt mir dann natürlich an anderen Ecken und ich kann auch nicht eben mal schnell für die Schwiegermama oder unsere Kinder zur Stelle sein. Doch irgendwie muss man ja die Arbeit neben den Kindern wuppen, den Haushalt neben der Arbeit und die Schwiegermama neben dem Haushalt… Da wird es häufig turbulent und anstrengend bei uns und es rutschen einem auch mal wichtige Dinge durch. Geht es Ihnen auch so? Hier habe ich fünf Ideen zusammengestellt, die bei konsequenter Umsetzung unser Sandwich-Dasein erleichtern können.

1. Fixe Besuchstermine einführen

Kannste mal hier, kannste mal da? „Die Glühbirne im Schlafzimmer muss ausgewechselt werden. Und die Toilettenspülung klemmt auch schon wieder.“ Wer kennt diese Anrufe nicht? In der Regel übernimmt man in der Familie ganz selbstverständlich die bei älteren Verwandten anfallenden Reparaturen. Und ist man einmal vor Ort, kommen meist noch andere Aufgaben dazu. Vom Funktionstüchtigmachen des Computers oder Handys über Baumarktbesorgungen oder Postwege bis hin zu Behördenkram – man ist stets vor Ort und hilft aus, wo man kann.

Hier müssen wir aufpassen, dass wir nicht zum Springer unserer lieben Verwandten mutieren und 24/7 für sie da sind. Schließlich haben wir zuhause erst einmal unsere eigene Familie zu versorgen, deren To-Do-Liste auch nicht kürzer wird. Mein Tipp: Legen Sie am besten fixe Besuchstage für das Aufschlagen bei Ihren älteren Angehörigen fest und kümmern Sie sich ausschließlich an diesen Tagen um anfallende Reparaturen, Botengänge und Behörden. Verkünden Sie die Änderung frohen Mutes: „Also, liebe Eltern, ich komme jetzt am Montag- und Donnerstagabend, um Euch in der Wohnung, im Haushalt usw. zu helfen – die anderen Tage sind für meine Familie (und hoffentlich auch mal für mich) reserviert.“

2. Delegieren statt Lamentieren

Und der nächste Tipp gleich im Anschluss: Delegieren Sie die anfallenden Aufgaben, wo Sie nur können! Ihre Familie ist groß? Um so besser: Binden Sie Ihre Geschwister fleißig in die Versorgung der (Groß-)Eltern mit ein! Schließlich sollte hier jeder seinen Beitrag leisten. Bitten Sie beispielsweise Ihren Bruder, das quietschende Gartentor der Eltern zu richten. Er kann das eh viel besser. Und Ihre Schwester kennt sich schon von Berufs wegen besser mit Anschreiben an das Finanzamt aus. Sind Ihre Kinder alt genug, können auch diese in die Versorgung der Großeltern eingebunden werden. Leichte Einkäufe erledigen und ein Trinkgeld kassieren oder Oma und Opa beim Kniffel Gesellschaft leisten macht den Kleinen sicherlich sogar Spaß. Wer hängt nicht gern bei Oma und Opa ab, wenn er so den Fittichen seiner Eltern entwischen kann?

Binden Sie Ihre Familie aber auch zuhause regelmäßig in anfallende Aufgaben mit ein. Bringen Sie Ihren Kindern rechtzeitig das Aufräumen bei, damit deren Zimmer schnell von Ihrer To-Do-Liste verschwinden. Sind die Kinder alt genug, können Sie auf dem Weg zum Playdate auch gleich den Müll mit rausnehmen oder auch mal Brötchen für die Familie holen. Sie sparen Wege und Zeit und die Kinder bekommen ein gutes Gefühl, da sie die Familie unterstützen und etwas Verantwortung übernehmen.

3. Putzhilfe & Co. engagieren

Sind Sie möglicherweise die einzige Verwandte weit und breit und müssen Ihre Angehörigen allein versorgen? Dann greifen Sie doch – wenigstens ab und an – auf externe Hilfe zurück. Sei es eine Putzhilfe, ein Gärtner, der den elterlichen Garten winterfest macht, oder ein Seniorenbetreuer, der Ihre Eltern zum Arzt begleitet, jede Entlastung hilft! Ihnen und auch Ihren Eltern. Weisen Ihre Eltern bereits erste körperliche Gebrechen auf und können sich Unterstützung im Haushalt leisten, zögern Sie nicht, regelmäßig auf externe Hilfe zurückzugreifen! Ihre Kräfte und Nerven werden es Ihnen danken.

4. Lebensmittel liefern lassen

Lebensmittellieferservices sind momentan total angesagt! Warum nicht auf den neuesten Trend aufspringen? Und auch die älteste Generation kann ruhig mal mit der Mode gehen, vor allem wenn dies den Ischias oder die kaputten Knochen freut. Spendieren Sie Ihren Eltern einen regelmäßigen Lieferservice! Denn dies bedeutet für Sie nur eins: Kein Jammern über einen leeren Kühlschrank mehr, kein Schleppen schwerer Einkäufe mehr, kein „Kannst Du das mal schnell besorgen!“… Denken Sie am besten gleich über einen Lebensmittellieferservice für Ihr Zuhause nach. Die wöchentlich wenigen investierten Euros lohnen sich!

5. Zeit für sich einräumen

Und der wichtigste Tipp zum Schluss: Planen Sie unbedingt feste Zeitfenster für sich und Ihre Bedürfnisse ein! Sie dürfen sich in all dem Stress nicht vergessen und müssen regelmäßig Kraft tanken, um Ihre Batterien aufladen zu können. Es muss ja nicht gleich die unaussprechliche Yogastunde im überteuerten Luxusstudio oder das hippe Wellness-Treatment sein. Es reicht ja auch ein wöchentlicher fester Termin für die Me-Time, in der Sie mal in Ruhe einen Kaffee trinken, im Park spazieren gehen oder einfach so durch die Stadt bummeln. Tragen Sie diesen wiederkehrenden Termin in den gemeinsamen Familienkalender ein, damit sich alle darauf einstellen können und daran gewöhnen.

 

 

Über Katrin Lewandowski

PR-Profi und Redakteurin Katrin Lewandowski ist seit 2014 bei Betreut.de im Boot und verantwortet nun auch das Online-Magazin. Als Mutter von zwei Kindern und mit einer älteren Schwiegermama im Gepäck weiß sie genau, wie es sich anfühlt, in der Sandwich-Position zu rudern und wie schwer es manchmal ist, Job und Familie unter einen Hut zu kriegen.


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