Jeder kann… seinem Kind das Schlafen beibringen

 

In den letzten zwanzig Jahren habe ich unzählige Eltern beraten, deren Kinder Probleme mit dem Schlafen hatten. Das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen” ist aus der Arbeit mit den Eltern entstanden und hat inzwischen mehr als eine Million Leser, allerdings sicherlich auch mehrere Tausend erbitterte Gegner.

Ich kenne die Herausforderung nicht nur aus der Theorie

Als Mutter von drei Kindern habe ich selbst fünf Jahre lang nicht durchgeschlafen. Beim dritten Kind bin ich nachts viele Monate lang durchschnittlich sieben Mal aufgestanden. Ich habe erlebt, wie viel besser es meiner eigenen Tochter ging, als sie endlich schlafen konnte. Ich habe erfahren, was für einen Unterschied an Lebensqualität und Energie es bedeutet, selbst schlafen zu können. Und wie von der neu gewonnen Lebensfreude die ganze Familie profitiert.

 

Aber nichts liegt mir ferner, als alle Eltern zu irgendeiner Methode „bekehren“ zu wollen. Sie als Eltern haben die Wahl, wie Sie mit Ihrem Kind umgehen und wie Sie es mit dem Schlafen halten wollen. Ich biete Ihnen nur Informationen an, was Sie tun können, damit Ihr Kind gut schläft. Und Sie auch. Niemand sollte etwas gegen seine Überzeugung oder gegen sein „Bauchgefühl“ tun. Aber für eine freie Wahl kann es nicht schaden, gut informiert zu sein.

Jedes Kind ist anders

Das trifft auch für das Schlafen zu. Es gibt geborene Schläfer und Kinder, die wie der vierjährige Niclas von sich sagen: „Die Nacht ist nicht mein Freund“. Es gibt Babys, die insgesamt nur neun Stunden schlafen. Und Dreijährige, die zusätzlich zu ihrer zwölfstündigen Nachtruhe noch einen zweistündigen Mittagsschlaf machen.

 

All das können Sie als Eltern nicht beeinflussen. Das Schlafbedürfnis Ihres Kindes können Sie nur so nehmen wie es ist. Aber Sie können auf zwei Dinge achten, die sich positiv auf den Schlaf Ihres Kindes auswirken: gute Schlafzeiten und gute Schlafgewohnheiten.

Gute Schlafzeiten

Bei einem Neugeborenen gibt es noch keinen richtigen Tag-Nacht-Rhythmus. Der entwickelt sich erst in den ersten drei bis sechs Lebensmonaten. Erst dann macht es Sinn, ein Kind zu regelmäßigen Zeiten ins Bett zu bringen. Ein fester Rhythmus hilft Ihrem Kind, seine innere Uhr regelmäßig auf „Schlafen“ zu stellen. Das ist besonders dann wichtig, wenn es noch zweimal am Tag schläft.

 

  • Wird Ihr Kind morgens extrem früh wach? Dann können Sie die Schlafzeit abends nach hinten verschieben. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind vor seinem ersten Tagesschläfchen lange genug wach bleibt, möglichst länger als drei Stunden.
  • Schläft Ihr Kind abends sehr spät ein? Dann können Sie es morgens früher wecken. Vor der Nachtruhe sollte es mindestens drei bis vier Stunden wach sein.
  • Ist Ihr Kind nachts längere Zeit wach? Rechnen Sie aus, wie viele Stunden Ihr Kind im Durchschnitt pro Nacht schläft. Es sollte nur so viele Stunden in seinem Bett verbringen, wie es schlafen kann. Legen Sie es später hin oder wecken Sie es früher, falls die Schlafzeit von seiner Bettzeit mehr als eine Stunde abweicht.
  • Eine gut gestellte „innere Uhr“ ist die Voraussetzung für guten Schlaf. Die „innere Uhr“ tickt langsam. Veränderungen brauchen zwei bis drei Wochen Zeit.

Gute Schlafgewohnheiten

Regelmäßige Schlafzeiten erleichtern Ihrem Kind das Einschlafen. Ein liebevolles Abendritual mit ganz viel Nähe und Körperkontakt und Zuwendung ist genau so wichtig. Kuscheln, Vorlesen, Singen, Erzählen, das ist wertvolle gemeinsam verbrachte Zeit und erleichtert das Einschlafen. Da Ihr Kind in der Regel früher ins Bett gehen wird als Sie selbst, gehören auch der Gutenachtkuss und das Verlassen des Zimmers dazu.

 

Sie können sich auch entscheiden, im Zimmer zu bleiben, bis Ihr Kind eingeschlafen ist und ihm noch weitere Hilfen anbieten: sich dazu legen, Händchen halten, stillen, Fläschchen geben, herumtragen, auf dem Hüpfball schaukeln. Ihr Kind wird mit Ihrer Hilfe irgendwann einschlafen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Nacht gut schläft oder durchschläft, wird dadurch sehr viel kleiner. Wenn Ihr Kind Sie abends braucht, wird es Sie auch in der Nacht brauchen. Da alle Kinder nachts mehrmals wach werden, wird es Sie wahrscheinlich sogar mehrmals in der Nacht brauchen. Es wird weinen, bis Sie es wieder stillen, tragen, schaukeln…

 

Kinder, die zum Einschlafen nicht die Hilfe Ihrer Eltern brauchen, schlafen länger und werden nachts seltener wach. Das ist keine Spekulation, sondern ein gut belegter Zusammenhang. Deshalb, und nur deshalb, ist es eine gute Schlafgewohnheit, wenn Kinder nach dem liebevollen Abendritual und dem Gutenachtkuss wach in ihr Bett gelegt werden und ohne Hilfe der Eltern einschlafen. Wenn sie nachts aufwachen, fühlt sich das für sie dann richtig und nicht falsch an. Es fehlt ihnen nichts. Sie können einfach allein wieder einschlafen. Bis zum nächsten Morgen.

Gewohnheiten sanft ändern

Wenn Ihr Kind Schlafprobleme hat und Ihnen dieser Zusammenhang einleuchtet, können Sie danach handeln. Vielleicht müssen Sie dafür die Gewohnheiten Ihres Kindes ändern, wenn es bisher nur mit Ihrer Hilfe einschlafen konnte. Das können Sie auf sehr sanfte Weise tun. Sie können mit ihm im Zimmer bleiben (aber es zum Beispiel nicht mehr herumtragen). Sie können zwischendurch für sehr kurze Zeit das Zimmer verlassen, wenn Ihr Kind trotz Ihrer Anwesenheit weint. Sie sollten es immer wieder trösten und ihm zeigen, dass Sie da sind und alles in Ordnung ist.

 

Wenn Ihr Kind ungefähr zehnmal ohne Ihre Hilfe eingeschlafen ist, hat es die neue Gewohnheit gelernt. Und die Fähigkeit, auch nachts allein ohne Ihre Hilfe weiter zu schlafen. Sie müssen das nicht tun. Sie haben die Wahl. Aber bedenken Sie, dass Ihr Kind auch etwas davon hat. Es schläft selbst besser und ist ausgeglichener. Und es hat ausgeschlafene Eltern, die sich mit Freude und Energie mit ihm beschäftigen können.

Lösung Familienbett?

Oft wird das Familienbett als „Lösung“ für alle Probleme angeboten. Wenn beide Eltern gern mit einem oder mehreren Kindern zusammen schlafen wollen und sich dabei wohl fühlen, spricht nichts dagegen. Ein „Allheilmittel“ ist es aber nicht. Oft müssen sich die Eltern dann auch abends dazu legen und warten, bis das Kind eingeschlafen ist. Manche dürfen gar nicht mehr aufstehen, weil das Kind dann sofort wach wird. Wenn Sie gestresst und ungeduldig neben Ihrem Kind liegen, tun Sie ihm damit keinen Gefallen.
Experten für den sicheren Babyschlaf empfehlen wegen des höheren Risikos der Überwärmung im ersten Lebensjahr das Familienbett nicht. Ihr Baby schläft am sichersten in Ihrer Nähe – auf dem Rücken, mit Schlafsack im eigenen Gitterbett, ohne Decken und Kissen und Kuscheltiere. Wenn einer der Eltern raucht, ist das Familienbett ein ernstes gesundheitliches Risiko.

 

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Kommentare
  1. Jeder kann… seinem Kind das Schlafen beibringen
    Susanne Burchard | Donnerstag,Oktober 09.2014

    Ich selber habe 5 Kinder instinktiv genau nach diesem Prinzip grossgezogen und es hat prima geklappt. Nachdem dann wiederum eine meiner Töchter mit ihrer Tochter grosse Probleme hatte ( der Vater hat das Baby im ganzen ersten Lebensjahr herumgetragen bis es eingeschlafen ist ! Eine Katastrophe ! ) habe ich ihr das Buch “ jedes Kind kann schlafen lernen “ gekauft und nun funktioniert es ganz prima!!

  2. Jeder kann… seinem Kind das Schlafen beibringen
    Katrin Kirschner | Donnerstag,Oktober 09.2014

    Was soll so falsch daran sein, dass ein Baby körperliche Nähe braucht? Und zwar immer. Auch zum Einschlafen. Alle Kinder, die ich kenne, die nach diesem schrecklichen Prinzip erzogen wurden, hat man alleine in ihrem Bett weinen lassen, bis sie das Weinen aufgaben. Das ist seelische Folter. Und man hat den Vertrauensverlust des Babys hingenommen, weil man sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt hat, als seinem kleinen Kind in den Schlaf zu helfen.Leute, die so denken, brauchen sich keine Kinder anzuschaffen.Es mag ja Kinder geben, die auch als Babys schon keine Nähe ihrer Eltern WOLLEN, aber diese Kinder wären die große Ausnahme und meiner Meinung nach auch nicht normal, sondern vielleicht eher dem Bereich der Autisten zuzuordnen.Bei einem kleinen Baby existieren Leute übrigens nur so lange, wie das Kind sie fühlen und später auch sehen kann (denn das Sehen muss das Kind ja erst lernen). Sobald die Mutter oder der Vater weg sind, existieren sie nicht mehr für das Kind. Sie sind aus seiner Welt komplett verschwunden. Das Baby weiß nicht, dass die Mama im Wohnzimmer ist und jederzeit wieder hereinkommen kann. Es verzweifelt darüber, dass es gerade absolut und völlig allein ist in seiner Welt. Später lernen Babys dann, dass Leute weiterexistieren, auch wenn es sie nicht sehen kann. In dem Alter spielen die Kinder gerne Kuckuck-Versteckspiele, und freuen sich immer wieder aufs Neue, wenn die verschwundene Person wieder auftaucht.Wir haben übrigens zwei Kinder, die wir beide beim Einschlafen begleiten. Das ist anstrengend und das hätte ich mir früher auch anders vorgestellt, aber wir haben das Prinzip, dass wir unsere Kinder nicht verzweifelt nach ihren Eltern schreien lassen und deshalb bleiben wir bei ihnen. Denn dieses „geh doch mal kurz raus“ funktioniert einfach nicht, wenn das Kind dann schreit, weil es zu seiner Mama oder seinem Papa will. Es sei denn natürlich, man lässt das Kind „mal eben“ 10 Minuten schreien. Was für das Kind eine Ewigkeit an Einsamkeit wäre. Also bleiben wir bei unseren Kindern.Unsere erste Tochter schlief übrigens schon früh sehr schön durch, die zweite hatte ab dem ersten Zahn lange Zeit sehr unruhige Nächte, vorher schlief sie aber auch schon bis zu acht Stunden am Stück. So viel zu der tollen Theorie „getragene Kinder schlafen schlecht“…

  3. Jeder kann… seinem Kind das Schlafen beibringen
    mira | Donnerstag,Januar 29.2015

    Ich habe bei meinem ersten Kind den grossen Fehler gemacht, ihm lernen zu wollen, alleine einzuschlafen mit Hilfe dieses Buches der Autorin. Mit der Folge, dass sie es zwar irgendwann machte, aber dabei todunglücklich war und es auch immer ewigs dauerte. Zum Glück habe ich nach ein paar Monaten (da war sie 2,5) gemerkt, wie unnatürlich solch zwanghaftes Verhalten ist und habe damit aufgehört. Es hat lange gedauert, bis mein Kind das verlorene Vertrauen in mich wiedergefunden hat. Ich bereue mein Handeln sehr! Beim zweiten Kind habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und begleitete das Kind in den Schlaf. In der Regel dauerte es 5 Minuten und er war weg (so wie bei meiner ersten, bevor ich das unsägliche Buch gelesen habe…). Wenn die Kinder in der Nacht mal aufwachen und nicht einschlafen können, dann dürfen sie selbstverständlich zu uns ins Bett kommen. Es sind ja unsere Kinder und keine Fremden…Mein Fazit: Kinder brauchen Liebe, Wärme und Körperkontakt, um sich wohl zu fühlen und gut einzuschlafen. Ich sehe keinen Grund, warum ich als Mutter das meinen Kindern verweigern sollte.

  4. Jeder kann… seinem Kind das Schlafen beibringen
    Jess | Montag,Juli 04.2016

    Ich halt mich gerne daran wie die Natur es vorgegeben hat und vertraue meiner Tochter dass sie weiss was sie braucht ^^ Und bei allen die diese Methode anwandten, wir reden dann noch mal im Pubertätsalter dieser Kinder nochmal 😉

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