Sind wir nicht alle Rabenväter?

Wer regelmäßig auf Spielplätzen unterwegs ist, kennt es: Eltern sind untereinander selten um Kritik verlegen und schnell fallen Begriffe, die das Verhalten anderer Eltern in ein schlechtes Licht rücken. Egal ob im Schatten der Sandburgen oder in einem der zahlreichen Foren im Netz, der Begriff „Rabenmutter“ fällt häufig. Von Rabenvätern spricht hingegen kaum jemand. Warum eigentlich?

 

Rolf Zuckowski, Bobo Siebenschläfer und Co.

Wenn SIE nicht angemessen für IHR Kind sorgt, läuft etwas schief. Die alte Rollenteilung „Mutti schmiert die Brötchen, Vati verdient sie“ ist allgegenwärtig. Gerade in Texten, die wir unseren Kindern vorlesen oder -singen, erleben sie eine Renaissance. Ob in Pixi-Büchern, in Liedern von Zuckowski oder wie Mark vom Väterblog daddylicious erkannt hat, in Vorlese-Klassikern wie Bobo: Die Vaterfiguren übernehmen nur selten Verantwortung im Haushalt oder bemühen sich intensiv um die Erziehung ihrer Kinder. Meistens sind sie abwesend (bei der Arbeit oder gehen einem Hobby nach) oder müssen von den Kindern erst einmal geweckt werden, um am Familienleben teilzunehmen. Kritik ernten die Figuren dafür nur selten.

Alles überholt, könnte man nun sagen. Stimmt aber nicht.

Viel wurde über die „neuen Väter“ geschrieben; über ihre Wünsche, ihre Rolle in Familie und Beruf. Wir wollen Kinder und die Verantwortung für sie und ihre Erziehung übernehmen. Doch oft fehlen – neben finanziellen Möglichkeiten – vor allem die notwendigen beruflichen Rahmenbedingungen, damit mehr Väter eine andere Rolle in der Familie auch erfüllen können.

 

Das neue Elterngeld Plus bietet Eltern die Möglichkeit, die Verantwortung in einer Beziehung besser zu verteilen. Beide Eltern können nach der Geburt in Teilzeit arbeiten und erhalten zusätzlich ein Elterngeld. Das klingt nach einer guten Idee. Doch auch für die Phase nach dem Elterngeld- Anspruch braucht es Angebote, die den Wünschen der neuen Väter entsprechen.

 

Die Autoren Brost und Wefing beklagen in ihrem jüngst erschienenen Buch die Situation der neuen Väter als Vereinbarkeitslüge. Neun Stunden arbeiten, sechs Stunden schlafen, acht Stunden Kinderbetreuung. Da bleibt keine Zeit für mehr… Tatsächlich hängen die meisten Väter in der alten Rolle als Hauptverdiener fest. Denn viele Familien sind auf das zumeist höhere Einkommen der Väter angewiesen. Einfacher Verzicht ist für viele Familien schlichtweg keine Option. Ich glaube, es geht doch: Um dem Wunsch gerecht zu werden, trotz hoher Arbeitszeit, auch noch Zeit für Kinder zu haben, braucht es vor allem eines: Flexibilität auf Seiten der Mitarbeiter und der Arbeitgeber.

Wunsch und Wirklichkeit: Eine Selbstbetrachtung

Ich lebe in einer Partnerschaft mit zwei Kleinkindern und arbeite viel. Flexible Arbeitszeiten und verständnisvolle Vorgesetzte erlauben es mir, meinen Arbeitstag dem Alltag meiner Kinder anzupassen. Ich kann einen Teil meiner Arbeit mit ins Homeoffice nehmen und berufliche Aufgaben dann erledigen, wenn meine Kinder schlafen.

 

Diese Angebote geben mir trotz hoher Arbeitsintensität Raum für die Familie: In der Regel schaffe ich es, meinen ältesten Sohn morgens in die Kita zu bringen und bin zum gemeinsamen Abendessen wieder zu Hause. Allerdings entzieht sich vieles, was wochentags zwischen diesen Terminen geschieht, aktuell meiner väterlichen Pflicht. Das ist schade, denn ich weiß, dass ich viel verpasse. Aber es ist für mich und für uns derzeit der beste Kompromiss.

 

Bin ich also ein Rabenvater? Und wie teilen Sie sich zu Hause die Erziehungsarbeit auf? Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

 

 



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