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Fiese Bewerbungsfragen

Typische Fragen im Vorstellungsgespräch

Mit welchen typischen Bewerbungsfragen müssen Sie während des Vorstellungsgespräches rechnen? Und gibt es auch unzulässige Fragen?

Bewerber bei Facebook zu suchen oder zu googeln ist längst zum Alltag in deutschen Unternehmen geworden. Wer sich auf Jobsuche begibt, sollte daher rechtzeitig seine aktuellen Profilfotos und Datenschutzeinstellungen auf Seriosität und Arbeitgeberkompatibilität prüfen. So bleiben unliebsame Bilder oder Status-Updates vor den Augen des zukünftigen Vorgesetzten verborgen – zumindest solange dieser nicht durch eine „Freundschaft“ mit dem Profil verbunden ist.

1. Nennen Sie Ihre Stärken und Schwächen!

Über diesen Klassiker der typischen Fragen im Vorstellungsgespräch sollte man schon vor dem anstehenden Gespräch nachdenken. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Balance zwischen Selbstverherrlichung und Selbstkritik zu finden. Experten empfehlen, die Frage zu relativieren und zu betonen, welches Feedback man häufig von seinem Umfeld bekommt. Das kann in positiver Hinsicht beispielsweise die Teamfähigkeit sein, Belastbarkeit, Neugier, Ehrlichkeit oder die Fähigkeit, sich schnell in ein Thema einzuarbeiten. Die einzelnen Stärken können mit einem Beispiel aus dem Leben verdeutlicht werden. Eigene Schwächen sollten hingegen kunstvoll umschifft werden. Beliebt ist es, eine Stärke als Schwäche auszulegen. Beispielsweise zu viel Ehrgeiz – Sie wollen einfach zu viel. Andere Varianten sind Ungeduld, zu schnelles Arbeiten, zu hohe Erwartungen an sich selbst. Profis nennen im Vorstellungsgespräch übrigens drei Stärken und zwei Schwächen. So überwiegt der positive Teil.

2. Wie sehen Ihre Gehaltsvorstellungen aus?

Mit der richtigen Vorbereitung wird diese Frage nicht zu einer Fangfrage! Gegenfragen à la „Was können Sie mir denn anbieten?“ oder „Was ist denn bei Ihnen üblich?“ sind an dieser Stelle nicht angebracht. Besser ist eine argumentative Vorgehensweise. Das Unternehmen kauft Ihre Fähigkeiten ein. Also zählen Sie ruhig auf, was für Erfahrungen und Know-How Sie bieten können. Dann nennen Sie einen angemessenen Preis. Der übliche Gehaltsrahmen lässt sich anhand von Gehaltsrechnern oder durch Kollegen in identischen Positionen herausfinden. Es gilt: ein überdurchschnittliches Gehalt verlangt überdurchschnittliche Argumente.

3. Vergleichen Sie sich mit einer bekannten Persönlichkeit aus dem 19. Jahrhundert und sagen Sie warum!

Keine Panik! Diese Fangfragen im Vorstellungsgespräch zielen weniger auf eine richtige Antwort ab, als auf Ihr Verhalten in Belastungssituationen. Die oberste Prämisse lautet also, Ruhe bewahren. Wer Zeit zum Nachdenken braucht, kann einen Schluck Wasser trinken oder nachhaken (beispielsweise ob eine Person aus einem bestimmten Bereich gesucht wird etc.). Wer es schafft, die Nerven zu behalten, findet auch eine passende Antwort. Egal ob diese sich dann auf Jane Austen, Richard Wagner oder die eigene Urgroßmutter bezieht.

4. Nennen Sie in der nächsten Minute 10 Dinge die man aus einem Autoreifen machen kann!

Ein ähnlicher Fall wie in Punkt drei– eine Stresssituation wird hervorgerufen. Dazu wird hier Ihre Kreativität getestet. Wer sich also für einen Job bewirbt, der Ideenreichtum verlangt, muss mit solchen Aufgaben im Vorstellungsgespräch typischerweise rechnen. Auch hier gilt es, die Ruhe zu bewahren und selbstbewusst alle Einfälle zu nennen, die einem in den Kopf kommen. Einen Beweis zur Umsetzbarkeit wird schließlich nicht verlangt.

5. Wie sieht Ihre Familienplanung aus?

Die Frage ist sehr heikel und wird mit Vorliebe jungen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren gestellt. Grundsätzlich gehört dieses Thema in den privaten Bereich und zählt daher ebenso wie Fragen nach der sexuellen Orientierung oder dem politischen Engagement zu den unzulässigen Fragen im Vorstellungsgespräch. Wird sie dennoch gestellt, muss der Bewerber oder die Bewerberin nicht wahrheitsgemäß antworten. Besteht jedoch die Schwangerschaft bereits, kann die Mutter dies angeben. Insbesondere, wenn die auszuübende Tätigkeit gefährlich für das Kind ist. Eine Pflicht besteht jedoch nicht. Wichtig ist in jedem Fall, sich nicht provozieren zu lassen und selbstbewusst freundlich zu reagieren. Mögliche Antworten wären „Kein Kommentar“, „Ist das eine Voraussetzung für den Job?“ oder diplomatisch „Ich verstehe Ihre Bedenken und bin mir sicher, dass ich den Anforderungen gewachsen bin.“

6. Wie erklären Sie sich diese Lücke im Lebenslauf?

Vor dieser typischen Frage fürchten sich viele Bewerber, die Lücken im Lebenslauf haben. Diese sollten schon im Lebenslauf vermieden und mit Fakten gefüllt werden. Egal ob Selbststudium, Sprach- und Bildungsreisen, die Ausübung von Ehrenämtern oder die Vorbereitung auf ein Studium – viele Tätigkeiten können sinnvoll genutzt werden. Im Falle einer Arbeitslosigkeit, empfehlen sich die aktiveren Synonyme „arbeitsuchend“, „Bewerbungsphase“ oder „berufliche Neuorientierung“. Im persönlichen Gespräch sollten Sie dem Personalverantwortlichen möglichst überzeugend darstellen können, was Sie in der fraglichen Zeit getan haben. Dazu kann man beispielsweise die positiven Seiten beleuchten, in etwa den Mut sich umzuorientieren oder die nun gewonnene Gewissheit, jetzt das Richtige zu tun.

7. Warum möchten Sie gerne bei uns arbeiten?

Nun gilt es zu beweisen, wie gut Sie das Unternehmen kennen, bei dem Sie sich beworben haben. Die falsche Antwort wäre beispielsweise „Der Job gefällt mir.“ oder „ Ich möchte Geld verdienen.“. Selbst wenn das der wahre Grund für Ihre Bewerbung ist. Außerdem sollten Kandidaten keine allgemeingültigen Floskeln herunter leiern, die auf jede Firma passen. Vielmehr geht es darum, deutlich zu machen, dass Sie sich informiert haben und das dieser Arbeitgeber keine Notlösung ist. Studieren Sie dazu vorher die Webseite des Unternehmens und Zeitungsberichte zum Thema.

8. Warum sollten wir Sie wählen und nicht einen anderen Kandidaten?

Diese Frage sollte einfach zu beantworten sein, wenn der Bewerber sich bereits mit seinen Stärken und Schwächen auseinandergesetzt hat. Wichtig ist es, locker und freundlich zu bleiben, sowie selbstbewusst zu antworten. Dem Personaler muss klar werden, dass sie genau bei dieser Firma diese Position wollen. Zeigen Sie, was Sie beruflich können und machen Sie Ihre Qualifikationen anhand von Beispielen konkret. Jetzt ist auch der richtige Moment gekommen um frühere Erfolge – wie das Senken von Kosten oder die Steigerung einer Quote – zu erwähnen. Versichern Sie, dass Sie diese Zielmaximierung auch im neuen Unternehmen realisieren möchten.

9. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wer die Philosophie/Vision des Unternehmens kennt, ist nun im Vorteil. Karrieristen haben an dieser Stelle die Gelegenheit, ihren idealen Weg auf der Leiter nach oben zu schildern. Dazu gehört beispielsweise die Übernahme von mehr Verantwortung oder neuen Arbeitsbereichen. Spezialisten können darstellen, wie und in welcher Form sie ihren Fachbereich perfektionieren wollen. Gute Anhaltspunkte sind in jedem Fall der Wunsch nach Teamleitung, Weiterbildung oder Auslandserfahrung.

10. Welche Fragen haben Sie an uns?

An dieser Stelle wird aus der Befragung häufig ein Dialog. Bewerber sollten diese Gelegenheit in jedem Fall nutzen. Taktisch unklug sind dabei Fragen nach Urlaubstagen, dem Gehalt oder Sozialleistungen. Besser wäre an dieser Stelle: „Wie groß ist das Team in dem ich arbeiten werde?“, „Wie sieht die Einarbeitung aus?“, „Wer ist mein direkter Vorgesetzter?“, „Mit welchen Abteilungen werde ich zusammenarbeiten?“, „Gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten?“.

Wem die Fragen im Bewerbungsgespräch zu weit gehen, sollte selbstbewusst seine Grenzen setzen. Denn tauchen schon beim ersten persönlichen Kontakt Differenzen auf, muss abgewogen werden, ob sich eine Zusammenarbeit überhaupt lohnt. Genauso sah es auch der Amerikaner Justin Basset. Er verließ das Gespräch nach der Frage zu seinem Facebook-Konto und erklärte, dass er nicht für ein Unternehmen arbeiten möchte, dass so private Informationen verlangt.

 



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