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So helfen Sie Angehörigen, die ihre Pflege verweigern

9 Wege Verwandten die Pflege näher zu bringen

Kennen Sie das? Ihre älteren Verwandten weigern sich strikt, externe Hilfe und Pflege anzunehmen, obwohl sie längst nicht mehr in der Lage sind, sich allein zu versorgen. Wir zeigen Ihnen, was Sie tun können, um Ihre Angehörigen vom Nutzen der häuslichen Pflege oder dem Umzug ins Altersheim zu überzeugen.

Ihre ältere Mutter widersetzt sich immer wieder dem ambulanten Pflegedienst und besteht darauf, dass Sie alle Pflegeaufgaben bei ihr erfüllen. Ihr bereits gebrechlicher Vater hört einfach nicht auf, mit dem Auto durch die Stadt zu fahren, obwohl er nur sehr langsam reagieren kann. Ihre Tante bestreitet die Notwendigkeit einer häuslichen Pflege, obwohl sie nur noch mit ungewaschenen Haaren und schmutziger Kleidung umherläuft. Und Ihre Großmutter weigert sich seit Monaten, in eine Einrichtung für betreutes Wohnen zu ziehen, weil diese voller alter Menschen ist.

Ablehnung schwierig für alle

Sie kennen diese Situationen, in denen Angehörige die Pflege verweigern? Nichts ist schwieriger für eine Pflegekraft als der Umgang mit einer älteren Person, die die dringend benötigte Hilfe ablehnt. „Dies ist eine der häufigsten und schwierigsten Herausforderungen in der Pflege, mit denen die Angehörigen dann konfrontiert sind“, so Dr. Donna Cohen, Psychologin und Autorin von The Loss of Self: A Family Resource for the Care of Alzheimer’s Disease and Related Disorders.

Bevor Sie den zu pflegenden Angehörigen zu sehr drängen, die externe Hilfe endlich anzunehmen, versuchen Sie erst einmal, dessen Angst vor dem Altern zu verstehen, rät Dr. Cohen: „Viele ältere Menschen sind sehr stolz auf ihr Alter. Sie denken: Ich habe gute und schlechte Zeiten hinter mir und all das alleine gemeistert. Außerdem glauben sie nicht, dass ihre Kinder die physischen und emotionalen Auswirkungen altersbedingter Rückschläge verstehen.“

 

Pflege verweigern

Besonders schwer am Anfang

Für einen älteren Angehörigen im frühen Stadium kognitiver Beeinträchtigungen ist diese Situation besonders schwer. „Ihr verärgerter Vater oder Ihre aufgewühlte Mutter sind sich der Veränderung in ihrem Gehirn bewusst, verstehen das Große und Ganze jedoch nicht mehr“, so Dr. Cohen. Beruhigende Worte und liebe Gesten können ihnen helfen, mit dem beängstigenden Funktionsverlust zurecht zu kommen.

Es ist aber auch ganz normal für Familienangehörige, Wut, Hilflosigkeit, Frustration und Schuldgefühle zu erleben, während sie versuchen, einer unnachgiebigen älteren geliebten Person zu helfen. Denn die älteren Angehörige können durchaus auf ähnliche Bewältigungsmechanismen zurückgreifen, die sie als Jugendliche während der Machtkämpfe mit ihren Eltern genutzt hatten – z.B. gehässig werden, schreiend aus dem Zimmer rennen oder ähnliches. Die älteren Angehörigen müssen erst erkennen und verstehen, dass die Kinder oder Enkel nun Entscheidungen für sie treffen und das dies i.d.R. andere sind. Experten raten sogar dazu, im Extremfall einen Psychologen hinzu zu ziehen, um einen schwierigen Elternteil zu überzeugen.

Wir zeigen Ihnen neun Wege auf, die Ihnen helfen sollen, die Einwände des widerspenstigen geliebten Menschen zu überwinden:

1. Früh anfangen

Im Idealfall haben Sie mit der gesamten Familien bereits lange vor einer gesundheitlichen Krise Gespräche über mögliche zukünftige Pflegeoptionen – das entspannt ungemein. Suchen Sie möglichst früh und bewusst nach Gelegenheiten, Ihren älteren Angehörigen Fragen in diese Richtung zu stellen, zum Beispiel: Mama, wo siehst Du Dich, wenn Du älter bist? Würdest Du eine Haushaltshilfe oder einen Fahrer beschäftigen, damit Du möglichst lange in Deinem Zuhause bleiben kannst?

2. Geduldig sein

Stellen Sie möglichst offene Fragen und geben Sie Ihren Liebsten immer wieder Zeit nachzudenken und zu antworten. Oder beginnen Sie Gespräche auch mal mit einem verständnisvollen „Du kannst ruhig sagen, Papa, wie ist es, 24 Stunden am Tag auf Mama aufzupassen.“ Aber seien Sie sich auch bewusst: Die Antworten können wiederholend sein und vom Thema abweichen. Es kann durchaus einige Gespräche dauern, um herauszufinden, weshalb Ihre Mutter, drei Haushaltshilfen hintereinander entlassen hat … nämlich einfach weil sie es versäumt haben, unter dem Esstisch zu saugen.

3. Tiefer bohren

Stellen Sie immer wieder Fragen, um herauszufinden, warum Ihr älterer Angehöriger die Hilfe verweigert – dann können Sie nach und nach eine maßgeschneiderte Lösung finden. Geht es um einen Mangel an Privatsphäre, Ängste wegen der Pflegekosten, den Verlust der Unabhängigkeit oder einfach keinen Fremden im Haus haben zu wollen? Um Vertrauen aufzubauen, hören Sie immer wieder ganz genau zu und bestätigen Sie Ihren lieben Verwandten anstatt dessen Gefühle herunterzuspielen.

4. Probleme priorisieren

Erstellen Sie zwei Listen, rät Dr. Cohen: eine mit den Problemen Ihrer Liebsten und eine für die Schritte, die Sie bereits unternommen haben. So wird Ihnen schneller klar, was Sie noch alles ausprobieren und wo Sie möglicherweise weitere Hilfe bekommen können. „Wenn man seine Bemühungen nicht kategorisierst, wird Pflege schnell zu einer riesigen Belastung“, so Dr. Cohen. Das Aufschreiben und Durchnummerieren aller Optionen und Schritte hilft beim Priorisieren und kann so den Stress lindern.

5. Vorschläge unterbreiten

Wenn möglich, binden Sie den betroffenen älteren Angehörigen von Anfang an in die Auswahl des Betreuers mit ein. Führen Sie Bewerbungsgespräche mit potenziellen Alltagshelfern gemeinsam durch, kümmern Sie sich zusammen um die Terminplanung  Lassen Sie den lieben Verwandten beispielsweise die Wochentage festlegen und auch Zeiten auswählen, zu denen die Haushaltshilfe und/oder ambulante Pflegekraft dann kommen soll. So fühlt sich Ihr Verwandter ernst genommen und an der Entscheidung beteiligt.

6. Positives betonen

Sollte Ihr Angehöriger Demenz haben, ist es manchmal effektiver, ihn mit weniger Informationen zu überhäufen. So könnten Sie lediglich mitteilen, dass der Helfer vor allem für die schönen Dinge da sein wird – zum Beispiel für Spaziergänge, Konzert- und Museumsbesuche sowie andere Lieblingsaktivitäten. Er oder sie kann das Zubereiten von Mahlzeiten übernehmen und dort helfen, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Sie müssen nicht jeden Aspekt der Pflege erläutern, den der Alltagshelfer übernehmen wird, bevor es überhaupt zu dem Betreuuungsverhältnis kommt. Dies kann unterstützend darauf wirken, dass sich die zu betreuende Person weniger bedrängt fühlt.

7. Externe einbinden

„Manchmal ist es für einen Elternteil einfacher, mit einem Außenstehenden als mit einem Familienmitglied zu sprechen“, ergänzt Dr. Cohen. Zögern Sie also nicht, einen Sozialarbeiter, Arzt, eine Pflegekraft, einen Pfarrer oder sogar einen alten Pokerkumpel zu fragen, wenn Ihre Angehörigen Unterstützung brauchen. Externe überzeugen manchmal viel schneller!

8. Langsam angehen

Binden Sie den neuen Helfer, wenn möglich, allmählich ein. Beginnen Sie mit kurzen Hausbesuchen oder treffen Sie sich zum Kaffee und bringen Sie den Alltagshelfer einfach mit. Nehmen Sie den Helfer dann einige Wochen später mit zum Arzt und verlassen Sie unter irgend einem Vorwand vorzeitig den Termin. Bitten Sie dann den neuen Begleiter, Ihren Verwandten nach Hause zu bringen.

9. Grenzen akzeptieren

Eine Sache noch zum Schluss: Solange Senioren sich nicht selbst oder andere gefährden, sollten sie ihre eigenen Entscheidungen treffen, rät Dr. Cohen.

 



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