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We are family: Insights von Papapi

Alleinerziehend, Patchwork, Regenbogenfamilie – na und! Wir haben im Rahmen unserer neuen Serie “We are family – vielfältig und bunt wie das Leben” Eltern befragt, die jenseits des klassischen Mama-Papa-Kind(er)-Modells eine Familie haben, wie sie ihren Alltag so meistern und ihre Mitmenschen ihnen begegnen. Lest selbst, was Kevin Silvergieter zum Thema zu sagen hat!

 

We are family

1. In welcher Art Familie bist du selbst aufgewachsen?

Ich bin bis zu meinem 12 Lebensjahr in einer ganz klassisch normativen Familie Mama-Papa-Kind-Kind groß geworden. Dann trennten sich meine Eltern. Mein Bruder zog ein paar Jahre später zu meinem Vater der Ausbildung wegen und ich lebte weiter bei meiner Mutter.

2. Wann ist bei dir der Wunsch nach eigenen Kindern entstanden?

Puh. Der war eigentlich schon immer da. Ganz konkret wurde er dann mit meinem heutigen Mann. Von unserem ersten Kennenlernen an war uns beiden klar, Familie ist uns sehr wichtig.

3. Wie hat sich das Familienkonstrukt, in dem du jetzt lebst, entwickelt? Wie entstand deine Familie?

Wir haben immer wieder über Kinder gesprochen. Lange Zeit ohne konkrete Idee, wie. Es war einfach immer klar, wir beide lieben Kinder. 2014 wurde dieses Gefühl stärker und wir sprachen detaillierter darüber. Aber Adaption ging zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es gab die #ehefüralle noch nicht. Wir wären beide als Single betrachtet worden und hätten keine Chance gehabt. Auslandsadoption war zu teuer und Leihmutterschaft für uns moralisch nicht vertretbar. Von den Kosten eines solchen Kinderwunsches möchte ich gar nicht erst reden. Pflegefamilie kam für uns nicht in Frage. Die Kinder gehen irgendwann wieder fort. Außerdem gibt es da ja nur Probleme, die es in leiblichen Familien ja nie gibt. Haha. Also blieben wir ohne Kind. Doch ich spürte dieses Gefühl, Eltern sein zu wollen und können immer noch. Mehr sogar. Und wenn wir uns einfach mal informierten? Einfach auf das Thema einlassen? Also rief ich kurzer Hand beim Jugendamt an und machte einen Termin aus. Danach setze ich meinen Mann davon in Kenntnis. Naja, und der Rest ist _papapi_.❤

4. Hat euer Kind euer Familienmodell schon einmal hinterfragt? 

Nein. Vielleicht kommt das noch. Bisher hat er noch nichts hinterfragt. Im Kindergarten fragte ein Junge mal unseren Sohn, wo denn seine Mama sei. Daraufhin sagte er: „Zuhause in Frankfurt.“ Ich ließ das so stehen. Der Junge fragte auch nicht weiter. Manchmal fragen Kinder mich, wo denn die Mutter unseres Sohnes sei, darauf antworte ich ihnen das, was ich auch unserem Sohn sage: Sie kann sich zurzeit nicht um ihn kümmern. Dass das manchmal vorkommt, dass Eltern sich nicht kümmern können und deswegen nach anderen Eltern gesucht wird.

5. Wie reagieren Menschen in deinem Umfeld auf eure Familie? Habt ihr euch jemals diskriminiert gefühlt? Wenn ja, in welcher Situation? Wie seid ihr damit umgegangen? Und wer steht euch zur Seite, wenn ihr einmal nicht weiterwisst?

Ehrlich gesagt, kann ich mich an keine diskriminierende Situation erinnern. Wir gehen so offen mit uns und unseren Mitmenschen um, das nimmt ganz viel Wind. Wir verstecken uns nicht, verstellen uns nicht und fühlen uns auch nicht anders. Wieso auch? Ich glaube, diese innere Haltung überträgt sich auf alle Menschen, denen wir begegnen. Zumindest spricht uns niemand an, beziehungsweise bekomme ich keine Blicke oder ähnliches mit. Bin ich doch mit den Kindern beschäftigt.
Jetzt im Urlaub sind mir die Blicke der Hotelgäste aufgefallen. Diskriminierung möchte ich dennoch nicht darin sehen. Wir entsprechen nun mal nicht der Norm, da es wenige Regenbogenfamilien gibt. Rein von den Zahlen her. Also ist es nur logisch das Menschen schauen. Aus Neugier. Aus Interesse. Aus vielleicht sogar Freude.
Ich glaube gerne an das Gute in den Menschen, daher fühle ich mich nicht diskriminiert.

Im Internet erlebe ich Gegenwind, durch meinen Blog. Das Internet ist für viele Menschen anonym, da fällt es leicht, negative Kommentare zu verfassen. Im realen Leben trauen sich die Menschen das einfach nicht. Und wenn wir mal nicht weiterwissen, haben wir eine ganz wundervolle Familie, die voll hinter uns steht, großartige Freunde und eine tolle Dorfgemeinschaft. Als unser Sohn vor 3 Jahren zu uns kam, freute sich schon der ganze Ort auf unseren Sohn. Wir gingen sehr bald mit ihm in der Bäckerei, in der wir „unsere Jungs“ genannt werden, einkaufen. Die Chefin kam mit Tränen in den Augen um den Verkaufstresen und sagte: „Da bist du ja endlich, wir haben schon so lange auf dich gewartet.“ Wir haben so ein sensationell tolles soziales Netz. Ich könnte mir kaum einen schöneren Ort vorstellen, um unsere Kinder groß werden zu sehen.

6. Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sehr empfindest du dein Familienmodell als von der Gesellschaft akzeptiert?

(0 = überhaupt nicht akzeptiert, 10 = vollständig akzeptiert)

9 und das auch nur, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die unsere Familien Konstellation nicht gutheißen. Wüsste ich das nicht, wäre es eine glatte 10, denn gelebt fühlt es sich danach an.

 

Titel

7. Was ist das Schönste an deiner Familie?

Das Lachen der Kinder, das Vertrauen uns gegenüber, die Nähe, die sie bei uns suchen, die Liebe, welche ich vor allem dann spüre, wenn sie es nicht ausdrücken können. Meinen Mann mit unseren Kindern zu sehen. Das Glück und die Liebe in seinen Augen. Und das bewusstere und intensivere Leben und Erleben. Ich habe das Gefühl, seitdem unsere Kinder da sind, alles viel mehr und bewusster wahrzunehmen. Das ist ein ganz großes Geschenk.

8. Was wünschst du dir für die Zukunft eurer Familie?

Gesundheit. Ist einfach so. Das ist das allergrößte Gut. Alles andere ist auf einem guten Weg. Die Gesellschaft wird immer offener. Anders sein wird immer normaler und der Rest kommt sowieso so, wie er kommt.

We are family

Über Kevin Silvergieter

Auf seinem Blog Papapi schreibt Kevin über sein Leben als Ehemann, Schauspieler und Papa von zwei Kindern. Er berichtet vom alltäglichen Wahnsinn in einer völlig normalen Familie und erklärt den Unterschied zwischen Papa und Papi. Auf Instagram kann man Kevin ebenfalls folgen.

 

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Liebe Elternblogger, macht mit!

Familie ist etwas Einzigartiges und sieht für jeden Menschen anders aus. Wir wollen wissen, wie das bei Euch ist. Deshalb rufen wir alle Elternblogger, die sich in unseren Interviews wiederfinden, auf: Meldet euch bei uns unter julia.schambeck@care.com! Erzählt uns von euren Familien, euren Erfahrungen und eurem kleinen persönlichen Glück.

Alle Leser ohne eigenen Blog können uns gern in einem Kommentar unter diesem Artikel erzählen, was ihre Familie für sie so einzigartig macht. Wir sind gespannt auf Eure Geschichten!

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