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Wenn Kinder stottern
Die Logopädin Julia Morgenstern spricht mit Betreut.de zum Thema Sprechunflüssigkeiten
 


The King's Speech


The King's Speech zählt zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2010. Mit vier Oscars in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch und bester Hauptdarsteller begeisterte er ein Millionenpublikum. Der Hauptdarsteller Colin Firth spielt in der Filmbiografie König Georg VI., der auf Grund seines Stotterns eine Rundfunkansprache zum Fiasko werden lässt. Nach etlichen Therapiesitzungen bei dem australischen Sprachtherapeut Lionel Logue, die er zwischendurch immer wieder abbricht, gelingt es dem König letztendlich, eine stotterfreie Ansprache im Rundfunk zu halten.
Die Geschichte geht tiefgründig in das Leben König Georg VI. ein und deutet eindrucksvoll den Umgang mit seiner Sprachbehinderung.



Stotteranzeichen  


Wie dem ehemaligen König von England geht es heute circa einem Prozent der erwachsenen Deutschen und drei bis fünf Prozent der Kinder. Dabei handelt es sich um wiederkehrende Unterbrechungen im Sprechablauf durch Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen von Lauten, Silben und Wörtern. Ein Beispiel ist: „Die-die-die Katze ist mein Lieblins-t-t-t-ier“. Hinzu kommen sogenannte Begleitsymptomatiken wie Mitbewegungen des Gesichtes, Veränderung der nonverbalen Kommunikation durch zum Beispiel Vermeidungsverhalten, einem fehlenden Blickkontakt, vermehrtem Schwitzen oder eine veränderte Atmung.

 


Ursachen

„Die Ursachen für das Stottern können nicht eindeutig belegt werden“, erklärt die examinierte Logopädin Julia Morgenstern aus Berlin. Seit einem Jahr therapiert sie Kinder, die Sprechunflüssigkeiten aufweisen. „Es steht fest, dass das Stottern bei Kindern nicht durch das Verhalten der Eltern ausgelöst wird“, ergänzt die Logopädin. „Stottern beginnt meist im Alter zwischen zwei und fünf Jahren, selten auch noch später, meist ohne offensichtlichen Anlass“, weist Morgenstern hin.
Experten gehen davon aus, dass Kinder in dieser Phase eine Sprachentwicklung durchlaufen, in der Denken und Sprechen nicht miteinander Schritt halten können, da das zentrale Nervensystem noch nicht vollständig ausgereift sei. Zu erwähnen ist darüber hinaus, dass etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen beginnen zu stottern. Mädchen verlieren das Stottern häufiger wieder, wodurch das Verhältnis auf 5:1 anwächst. Warum mehr Jungen als Mädchen betroffen sind, kann man nicht genau nachweisen.
Stottern tritt in allen Kulturen auf. Es gibt 4.000 Jahre alte Schriftstücke, die von stotternden Menschen zeugen.


Die Logopädin geht davon aus, dass die Sprechunflüssigkeiten durch wechselseitige Einflüsse aus Sprachentwicklung, körperlichen Ursachen und dem Umfeld des Kindes bedingt sind. Andere Quellen behaupten zudem, dass es eine genetische Veranlagung gibt, da es gehäuft familiär auftritt. Stottern ist keinesfalls eine psychische Störung, sondern eine körperlich bedingte Sprechbehinderung.

 

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