Beautiful young woman embracing her father

Pflegende Angehörige und die Vereinbarkeit mit dem Beruf

Betreuungsverpflichtungen und Arbeit im Einklang?

Wie sich die Pflege der eigenen Angehörigen und der Berufsalltag vereinbaren lassen.

Angehörigenpflege und die Vereinbarkeit mit dem Beruf

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt in Deutschland zunehmend an. Daher rücken auch die Erwerbstätigen, die gleichzeitig Familienangehörige pflegen müssen, zunehmend in den Fokus der Arbeitgeber. Einer aktuellen Studie der berufundfamilie gGmbH zufolge ist bereits heute die Zahl der Pflegebedürftigen höher als die der Kinder unter 3 Jahren. Demnach gibt es in Deutschland derzeit 2,5 Millionen Pflegebedürftige, wohingegen es nur 2 Millionen Kinder unter drei Jahren gibt. Im Jahr 2020 wird die Zahl der Pflegebedürftigen auf rund 2,9 Millionen ansteigen, die Zahl der Kinder unter drei Jahren jedoch weiterhin bei 2 Million liegen.

 

Das Thema Pflege ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Insbesondere, wenn ein plötzlicher Pflegefall eintritt. Doch viele Arbeitgeber sind für dieses Thema noch nicht sensibilisiert. Die Kinderbetreuung hat in den vergangenen Jahren oft im Mittelpunkt gestanden, wohingegen die Pflege oft noch als Tabuthema gilt.
„Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bedarf etlicher betrieblicher Ansatzpunkte“, erläutert Ottenbreit, Leiter des Firmenservice von Care.com Europe. „Dazu zählen beispielsweise flexible Arbeitszeiten oder gar Teilzeit, kurzfristig gewährte Freistellungen oder Sonderurlaub bei akuten Pflegefällen, betriebliche Beratungen sowie eine Sensibilisierung der Belegschaft.“

Wie ist der Trend in Deutschland?

Laut der obengenannten Studie ignoriert der Großteil der deutschen Arbeitgeber jedoch das Thema pflegende Angehörige. Sie beziffern die Zahl der Arbeitgeber, die keine adäquaten betrieblichen Maßnahmen in diesem Bereich nennen können, mit 71 Prozent. Doch es bildet sich ein positiver Trend in Deutschland ab, wie Barbara von Würzen, Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung, bestätigt: „Schon viele Betriebe und Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass das Thema Familienfreundlichkeit wichtig ist, nicht nur für den einzelnen Mitarbeiter, sondern insgesamt für das Unternehmen und auch für die Gesellschaft.“
Dank der Medien und dem sich wandelnden Bewusstsein der Gesellschaft rücken familienfreundliche Maßnahmen zunehmend in den Blickpunkt, wie auch Barbara von Würzen feststellt: „Was früher eher ein seichtes Nebenthema war, wird für mehr und mehr Unternehmen relevant. Wir merken ein sehr großes Interesse von Unternehmen jeder Größe an unserem Qualitätssiegel ‚Familienfreundlicher Arbeitgeber‘. Den Unternehmen ist es zunehmend wichtig, das Thema

aufzugreifen, für Mitarbeiter attraktiv zu sein und dies auch zu kommunizieren. Die klassische Trennung von Arbeit und Familie, die in Deutschland lange geherrscht hat, bricht langsam auf.“
Dennoch wird es sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen, bis das Thema bei allen angekommen ist. Noch immer ist die Präsenzkultur in etlichen Firmen vorhanden: „Die Präsenzkultur ist für Arbeitnehmer mit jüngeren Kindern und solchen mit Pflegepflichten oftmals problematisch. Hier würden wir uns wünschen, dass mehr Arbeitgeber einsehen, dass es nicht so wichtig ist, wo die Arbeit erledigt wird, sondern dass das Ergebnis stimmt, “ ergänzt Barbara von Würzen abschließend.

 

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1 BerufundFamilie gGmbH, Mehr Erfolg mit der Familie, September 2013. http://www.beruf-und-familie.de/system/cms/data/dl_data/79cc2e270e7da89130f452c4bea0748c/bf_eNews_1308_1300911.pdf



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