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Fernsehen für Kleinkinder?

Elterliche Medienkompetenz im Umgang mit Fernsehen

Der eigene Terminplan lässt kaum Zeit zum Durchatmen zwischen Kind, Beruf, und Haushalt zu. In solchen Situationen kann es verlockend erscheinen, das Kinder-Programm einzuschalten...

Nicht zu früh

Laut einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) sehen bereits 20 Prozent der Einjährigen regelmäßig fern. Doch auch wenn es inzwischen reine Kinder-TV-Sender gibt, sollten Eltern den Fernsehkonsum in diesem Alter möglichst vermeiden. In dieser Entwicklungsphase nehmen Kinder ihre Welt noch völlig anders wahr, als dies ältere Kinder und Erwachsene tun. Der Macht der Bilder sind vor allem die Allerkleinsten schutzlos ausgeliefert. Sie sind noch auf das buchstäbliche Be-Greifen angewiesen, um einen Sachverhalt verarbeiten zu können. Ein Kind kann zum Beispiel einen Ball nehmen, ihn befühlen und schmecken, um dann feststellen zu können: Ball! Bilder auf dem Fernseher jedoch sind für die Kleinsten nicht derart (be-)greifbar. Darüber hinaus ist das Tempo der Schnitte und Bildwechsel häufig noch zu hoch, um ihm folgen zu können: Der Hund, der gerade noch zu sehen war, ist plötzlich verschwunden!

Fernsehen ja – aber!

Das heißt nicht, dass Kindern per se das Fernsehen zu verbieten ist. Fernsehen selbst macht Kinder nicht dümmer oder unsportlicher. Ganz im Gegenteil kann die Mattscheibe durchaus auch förderlich für die Entwicklung sein und zum Experimentieren und Spielen animieren – wenn Eltern und Kinder gemeinsam einen sorgsamen Umgang mit dem Medium finden und pflegen. Dies haben auch medienpädagogische Untersuchungen gezeigt. Dabei gilt es jedoch einige Regeln einzuhalten.

Altersgerecht

Ab einem Alter von 3 bis 4 Jahren können Kinder behutsam mit dem Fernseher vertraut gemacht werden. Dabei gibt es eine Vielzahl an Sendungen, die altersgerecht in Betracht kommen. Viele TV-Zeitschriften bieten hier die Information zur Alterseignung als Orientierungshilfe für Eltern an. Doch wenn Sie sich unsicher sind: Fragen Sie doch im Zweifelsfalle einfach mal beim Sender selbst an. Ein wirklich kindgerechter TV-Kanal wird Ihnen hier eine fundierte Antwort geben können (müssen).

Nicht zu viel

Darüber hinaus gilt es, Maß zu halten: Kinder sollten vor allem ihre eigene Phantasie ausleben und im Freien ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen, um die Welt zu entdecken. Daneben ist ein wenig Fernsehkonsum durchaus erlaubt. Der von Experten angegebene Richtwert für Vorschulkinder lautet hierbei: nicht länger als 30 Minuten. Je älter das Vorschulkind ist, desto mehr darf es von dieser halben Stunde sehen. Bei Kindern im jüngeren Schulalter kann der Konsum schrittweise ausgedehnt werden, sollte aber bis zum 10. Lebensjahr nicht mehr als 5 Stunden pro Woche betragen. Dies sollte jedoch noch unter elterlicher Kontrolle geschehen, so dass Eltern immer darüber Bescheid wissen, was das eigene Kind sieht und zu welchen Zeiten es dies tut.

Gemeinsam und kontrolliert

Das gilt auch, um auf die Reaktionen der eigenen Kinder eingehen zu können. Eltern sollten ihr Kind aufmerksam beobachten: Bekommt es zum Beispiel bei einer eigentlich lustigen Kinder-Sendung Angst, sollten Eltern als Unterstützung dabei sein, um die Gefühle thematisieren und gegebenenfalls das Programm jederzeit abschalten zu können. Gerade bei etwas älteren Kindern kann jedoch ein richtig gewähltes Fernsehprogramm auch Anreize zu Denkanstößen und Unterhaltungen bieten. Ein gerade gesehenes Spiel wird in den eigenen vier Wänden nachgespielt, gemeinsam wird über eine lustige Szene gelacht oder über ein interessantes Tier gesprochen, das kurz zuvor im Fernsehen vorgestellt wurde. Auf diese Art und Weise kann das Kind über das Medium zugleich etwas lernen, da die Eltern es im Verstehen der Welt unterstützen. Zum anderen merkt es, dass Fernsehen eine gemeinsame Erfahrung gelebter Geselligkeit ist – anstatt vor der Mattscheibe auf das Abstellgleis gestellt zu werden.

Fernsehen als Ausnahme

Fernsehen kann so zu einem gemeinsamen Familien-Erlebnis werden, das in Grenzen sogar eine pädagogisch sinnvolle Ergänzung zum sonstigen Spielprogramm der Kleinen darstellen kann. Problematisch wird es allerdings, wenn der Fernseher als Dauerberuhiger im Einsatz ist und das Kind vor lauter Fernsehen das Spielen im Freien und mit anderen Kindern vernachlässigt. Denn der wichtigste Spiel- und Lernkamerad ist und bleibt das soziale Gegenüber, über das das Kind die Welt und sich selbst gemeinsam zu erkunden vermag.

 



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