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Mutter & Söhnchen: Von viereckigen Augen und Zockerdaumen

Computer spielen, Netflix schauen, auf dem Smartphone chatten. Medien üben auf Kinder eine enorme Faszination aus. Wie geht Marsha Kömpel als Mutter damit um?

Marsha Kömpel

Marshas Kinder dürfen den Fernseher alleine einschalten und können zwischen verschiedenen Plattformen wie Netflix, YouTube & Co. wählen. Damit die Kleinen daran erinnert werden, wie lange sie schon fernsehen, stellt Marsha einen Timer.

 

1. Wie alt sind deine Kinder? Wie regelt ihr den Umgang mit Handy, Laptop, Fernsehen etc.?

Meine Jungs sind 4 und 8 Jahre alt, beide besitzen noch kein eigenes Smartphone. Das wird es sicherlich irgendwann geben, aber nicht vor der weiterführenden Schule. Der große Sohn, HerrSjardinski, ist seit neustem stolzer Besitzer einer Nintendo Switch. Diese hat er sich selbst von seinem gesparten Geld zum 8. Geburtstag kaufen dürfen. Uns als Eltern war es dabei wichtig, dass er auch weiß, wie teuer so ein Teil ist, damit er damit sorgsam umgeht. Denn ist das Ding futsch, kann er sich ganz gut vorstellen, wie lange es dauert, bis er die Kohle wieder zusammengespart hat. Im Moment ist bei ihm das Spiel Minecraft angesagt – Lego in digital sozusagen. Er trifft sich ab und an auch mit seinen Freunden, um gemeinsam Welten zu bauen. Der kleine Sohn, Rabaukowitsch, darf ein Kinder-Pad benutzen, mit dem er gerne Serien auf YouTube schaut oder auch mal ein Spiel wie Hill Climbing (Auto fahren über Stock und Stein) spielt. Das Pad liegt aber meistens in seinem Zimmer und wird nur benutzt, wenn sich beide Jungs nicht auf ein Fernsehprogramm einigen können oder wir auf langen Autofahrten unterwegs sind.

 

2. Wie viel Medienzeit ist pro Tag erlaubt? Wie reagierst du, wenn deine Kinder zu viel am Computer/Handy hängen?

Wir haben eigentlich keine geregelten Medienzeiten, denn ich denke, dass es auch ein Lernprozess ist, selbst zu erkennen, wann die Bildschirmzeit reicht, wo die Gefahren der Medienwelt lauern und welche Prioritäten man im Leben setzt. Das Real Life, die Familie und echte Freunde sollten immer vorgehen. Und so gibt es auch mal Tage, z.B. wenn wir krank in den Seilen hängen, an denen wird ein Film geschaut und auch noch gedaddelt, während es dann auch mal wieder Phasen gibt, an denen die Glotze ausgeschaltet bleibt. Weil wir eben draußen sind, Freunde treffen oder etwas unternehmen. Falls die Medienzeit doch zu lange andauert, greife ich ein und schlage andere Beschäftigungen wie ein Brettspiel oder gemeinsames Bauen mit Kapla, Lego und Co. vor. Bei Sonnenschein geht es raus. Und an den Wochenenden sind wir als Familie sowieso dauernd unterwegs. Gerade im Sommer ist unser Medienkonsum deutlich geringer.

Den Fernseher dürfen beide Kinder alleine anschalten und hier auch inzwischen verschiedenen Plattformen wie Netflix, YouTube & Co. wählen. Sie machen das recht selbständig, einigen sich auf eine Serie und dürfen dann 1-3 Folgen schauen. Eine Zeitlang musste der Rabauko täglich mindestens einmal die Fußballdoku zum Polkalfinale der Eintracht Frankfurt gucken – das war für mich auch ok. Auch wenn ich bei YouTube-Clips immer etwas Bauchschmerzen habe, da ohne Filter manchmal nicht kindgerechte Werbeclios (auch bei Kinderserien oder Mincraft-Tutorials) laufen. Bei der Switch haben wir uns auf 90 Minuten Mediennutzung am Tag geeinigt. Ist die Zeit um, klingelt ein Alarm. Aber gerade am Anfang, als noch Ferien waren, wurde dieser Timer oft mehr als überzogen, während nun auch mal ein paar Tage hintereinander die Konsole ganz ausbleibt. Dazu kommt, dass HerrSjardinski ja auch bei seinen Freunden spielt – dann habe ich darauf keinen Einfluss, ob das nun 90 Minuten sind oder auch mal mehr. Bisher war es aber immer so, dass die Jungs trotzdem Lust auf Rad fahren, draußen Fußball spielen oder Lego bauen hatten. Und so lange das so ist, muss ich auch nicht meckern. Generell gilt bei uns daheim, dass bei Spielbesuch auch real gespielt und nicht ferngesehen werden soll.

 

3. Bist du selbst ein gutes Vorbild?

Ich bin selbst ein Medienjunkie. Eigentlich beschäftige ich mich fast rund um die Uhr mit irgendwelchen Medien. Beruflich und wegen des Blogs sitze ich viel am Laptop oder arbeite am Smartphone. Allerdings beschränkt sich das auf die Vormittage, wenn die Kinder nicht daheim sind, oder auf die Abendstunden, wenn sie bereits schlafen. Zwischendurch checke ich allerdings auch mal meine Kanäle am Handy oder bespreche mich mit anderen Mamas per WhatsApp. Außerdem schmökere ich sehr viel in Büchern – ein Buch die Woche ist keine Seltenheit. Sind die Jungs beschäftigt, sitze ich in der Nähe und lese. Sind die Bildschirme aus, wird daheim als Begleitmedium viel Musik gehört. Und abends schaue ich selbst ziemlich viele Serien.

Dazu weiß ich, wie es ist, sich in coolen digitalen Spielwelten zu verlieren. Vor den Kindern haben der Iro-Mann und ich Multiplayer-Onlinespiele gezockt und haben uns oft nur über Team-Speak unterhalten. Ich weiß also, wie es ist, das Wochenende mit Menschen, die man nur online kennt, durchzudaddeln, um am nächsten Arbeitstag auf dem Weg ins Büro zu denken „Wow, geile Grafik“, weil man noch im Spiele-Modus steckt. Mittlerweile kann ich mir nicht mehr vorstellen, so viel Zeit in Spielwelten zu investieren. Die Prioritäten liegen eben nun auf Familie. Aber es war eine Phase, die ich nicht missen möchte. Denn daraus sind auch reale Freundschaften entstanden, die immer noch gepflegt werden. Ich habe zwei Jungs und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Daddel-Phase noch kommen wird. Als Eltern hier den Grad zwischen kumpelhaften High-Five und elterlichen Sorgenfalten zu finden, ist nicht einfach. Aber ich bin mir sicher, dass wir das gut hinbekommen.

 

Mutter&Söhnchen

Über Marsha Kömpel

Marsha lebt mit dem Iro-Mann, HerrnSjardinski (12/2010) und dem Rabaukowitsch (9/2014) in einem kleinen Ort vor den Toren Frankfurts. Auf mutterundsoehnchen.com bloggt sie über Kinderbücher, Medienkompetenz, Kultur für Kinder, Schule, Vereinbarkeit, Kinderkram und ihren chaotischen Alltag als Schwert schwingende Prinzessin mit zwei (bzw. drei) Jungs. Ihre Mom-Superkraft ist übrigens die Faulheit. Die Zeit ist nämlich einfach viel zu knapp für Perfektionismus am falschen Ende.

 

Wie findet man ein gesundes Mittelmaß für den Medienkonsum von Kindern? Wir finden es besteht Redebedarf. Hier geht es zu unserer Interviewreihe.



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