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Stadt Land Mama: Von viereckigen Augen und Zockerdaumen

Computer spielen, Netflix schauen, auf dem Smartphone chatten. Medien üben auf Kinder eine enorme Faszination aus. Wie geht Lisa Harmann als Mutter damit um?

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Ob Großstadt oder auf dem Land: Smartphones, Laptops und Fernseher gibt es überall. Welches Medium bei den Kindern von Landmama Lisa Harmann (links im Bild oben) am besten ankommt und in welchem Alter ihre Kleinen ein Handy bekommen haben, hat sie uns erzählt.



1. Wie alt sind deine Kinder? Wie regelt ihr den Umgang mit Handy, Laptop, Fernsehen etc.?

Meine Kinder sind gerade 12 und bald 10 und 10 Jahre alt. Bei uns war die Regel so, dass es erst ein eigenes Handy gibt, wenn es auf die weiterführende Schule geht – weil sie dann mit dem Linienbus fahren und mich im Falle eines Busausfalles anrufen können. Das heißt: Die Große hat seit zwei Jahren ein Handy und die „Kleinen“ seit drei Wochen. Damit waren sie in der vierten Klasse übrigens mit die letzten, die ein Handy bekamen. Wahnsinn. Fernsehen schauen unsere drei fast gar nicht mehr, seit sie Zugang zum Internet haben. Da braucht es bei uns also im Grunde keine Regulierung. Es hat auch niemand ein TV-Gerät im Zimmer. Laptops haben nur wir Eltern. Die nutzen sie nur, wenn sie mal einen Text für ihr geheimes Blog schreiben wollen oder wenn sie eine neue Taucherbrille shoppen wollen. Bleibt also das Handy – und Papas Ipad – wo es dann leider doch Regulierungen braucht.



2. Wie viel Medienzeit ist pro Tag erlaubt? Wie reagierst du, wenn deine Kinder zu viel am Computer/Handy hängen?

Unsere Regeln sind nicht starr. Wir sprechen sehr viel darüber. Die Große war mit ihrem Handy zu Anfang sehr strikt. Sie hatte sich selbst vorgenommen, morgens nicht dran zu gehen, sondern erst nach der Schule. Ins eigene Zimmer nimmt sie es abends sowieso nicht mit. Die Jungs brauchen da jetzt mehr Außenregulierung, sonst würde ihr Leben vermutlich gerade nur noch aus Handy, Pool, essen, Handy, Pool, essen bestehen. Ich habe auf allen Geräten die Family Link App von Google installiert und könnte also theoretisch ihren Konsum damit steuern. Dieses Wissen beruhigt mich, ich habe es aber noch nie eingesetzt und ihnen den Saft abgedreht. Noch setze ich da eher auf Reden. Beim Essen bitte weglegen das Ding. Wenn ihr schon dran müsst, dann zockt doch nicht nur, sondern googelt auch einfach mal all euren Fragen und nutzt es auch als Wissensquelle. Trotzdem gibt es leider regelmäßig auch Streit und Stunk, weil die dauerhafte Nutzung auch einfach unausgeglichene Kinder hervorbringt. Im Notfall sammle ich die Geräte auch schon mal ein und lege sie auf den Küchenschrank.



3. Bist du selbst ein gutes Vorbild?

Ha! In Sachen Medienkonsum oder überhaupt? 😉 Sagen wir so: Ich habe als Journalistin und Bloggerin, die aus dem Home Office arbeitet, tatsächlich immer mal wieder am Handy oder Laptop zu tun. Ich finde vorbildlich, dass wir das Leben mit Kindern so mit dem Job gut kombinieren können, das wäre ohne Handy und Laptop nämlich so nicht möglich und die Kinder müssten sehr viel mehr auf mich verzichten. Aber ich verbringe schon viel Zeit mit und an den Dingern. Wenn die Kinder sagen: DU SITZT DOCH SELBST SO OFT AM HANDY, dann versuche ich, zu erklären, dass das Arbeit ist und ich damit Geld verdiene. Das kommt aber noch nicht wirklich an. Sie schlagen dann vor, auch Geld zu verdienen mit Handyspielen und wollen ihr Gerät sofort wiederhaben.



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Über Stadt Land Mama

Stadt, Land, Mama – das ist das Blog von Lisa und Katharina, die sich im Dialog ehrlich über das Muttersein austauschen und dabei die unterschiedlichsten Menschen zu Wort kommen lassen. Katharina wohnt mit Mann und bald drei Kindern (*2010, *2014 *Nov. 2016) in Berlin. Lisa hat die Hauptstadt vor Jahren verlassen und lebt nun mit Mann, drei Kindern (*2006, Zwillinge*2008) und etlichen Tieren im Bergischen bei Köln. Sie verbindet, dass sie im wahren Leben Journalistinnen sind, Kinder haben – und blonde Locken. Stadt Land Mama ist für sie Herzblut-Hobby, Alltags-Verarbeitungs-Selbsthilfegruppe und Freude in einem. In ihrem Blog schreiben sie vor allem über Gefühle und Alltag, Versagen, Glück und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und über ihr Leben als Mittdreißiger, das sie lieben. Meistens.

 

Wie findet man ein gesundes Mittelmaß für den Medienkonsum von Kindern? Wir finden es besteht Redebedarf. Hier geht es zu unserer Interviewreihe.



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