Stadt, Land, Fluss? Wo wir am besten wohnen

Kinder in der Großstadt – ist das überhaupt gesund? Familie auf dem Lande – wird denen im Winter nicht langweilig? Für viele werdende Eltern stellt sich irgendwann die Frage: Wo genau ziehen wir unser Unterfangen Familie nun durch? Nah beim Job direkt in der Stadt, um z.B. schnell wieder bei den Kindern zu sein? Oder weit weg vom Schuss inmitten herrlicher Natur, den Kindern zuliebe? Klar, sicherlich bergen beide Wohngegenden ihre Vor- und Nachteile für ein Leben mit Kindern. Doch was genau passt zu Ihnen? Wichtig ist, dass Sie selbst und auch als Paar in sich gehen und entscheiden, worauf Sie keinesfalls verzichten möchten, auch mit Kind nicht.

Ein paar Gedanken zum Thema…

Für meine Familie stellte sich die Wohnfrage vor ca. vier Jahren, als wir aus dem Ausland zurück nach Deutschland kamen. Zuvor hatten wir mit Kleinkind und Baby in einer Mietwohnung in einem dicht bevölkerten Berliner Bezirk gelebt, im Ausland jedoch in einem 200-Seelen-Nest am Rande des Nirgendwo. Schnell hatten wir uns dort an die Ruhe und Beschaulichkeit des Dorflebens gewöhnt. Die Kinder konnten jeden Tag frei und laut um das einsam stehende Haus herumtoben im Sommer sogar nackt. Es hat niemanden etwas gestört, wir waren unser eigener Herr, bauten Gemüse an, hatten viele Tiere und konnten z.B. jeden Abend ein Lagerfeuer machen.

Doch einer der Gründe nach Deutschland zurückzukehren war der Mangel an kulturellem Input: keine Bibliothek weit und breit, das nächste Kino 40 Kilometer entfernt, Theateraufführungen nur in der Schule… Dies war auch ausschlaggebend dafür, dass wir vor unserer Rückkehr in Richtung Stadt schauten. Doch konnten wir unseren Kindern diese räumliche Freiheit einfach wieder nehmen und sie in eine enge Stadwohnung, 20 Minuten von der nächsten Grünfläche entfernt, pferchen? Nein! Wir wollten beides. So kam es, dass wir Eltern (beide ehemals überzeugte Großstadtkinder) uns im Speckgürtel von Berlin umsahen und im südlichsten Zipfel der Hauptstadt in einer schönen Wohnung mit riesiger Terrasse und Beeten landeten. Ja, nicht alles daran ist rosig: So bin ich eineinhalb Stunden zur Arbeit unterwegs und im Umkreis von zwei Kilometern gibt es gerade mal einen kleinen Supermarkt. Aber die Kinder und wir sind so dankbar für die frische Luft, die Nähe zum Wald und zum See sowie für die ruhigen Nächte hier in der Pampa.

Bunt & viel: Vorteile der Stadt

Es gibt einen offensichtlichen Vorteil, den Städte mit sich bringen: Das ist einfach diese Geballtheit an Möglichkeiten  sei es kulturell, bildungstechnisch, zum Einkaufen oder für die Freizeit. Es wimmelt nur so von Bäckern, Supermärkten, Drogerien, Bioläden, Kiosken und Einkaufszentren. Auch die Kita- und Schuldichte ist im Vergleich zum Lande sehr hoch. In Großstädten gibt es zudem eine Menge freie Schulen, in die man sein Kind schicken kann. Auch nicht unwichtig bei Kindern: die Vielzahl an Ärzten und medizinischen Spezialisten in der Stadt! Gesundheitliche Probleme können so im Umkreis von ein paar Kilometern geklärt werden während es auf dem Lande meist nur den Hausarzt zwei Dörfer weiter gibt. Des Weiteren besticht die kulturelle Vielfalt der Stadt: Weit und breit entwickelt ist die Theater-, Konzert-, Museen- und Kinolandschaft. Es gibt regelmäßig Lesungen, Besuche ausländischer Interpreten und Ensembles, Festivals, Straßenfeste und vieles mehr. Tolle Cafés und exotische Restaurants findet man an jeder Ecke und häufig prägt auch ein Zoo das Stadtbild, was gerade für unsere Kleinsten spannend ist. Auch die Freizeit kann bunt gestaltet werden, denn Hunderte Vereine laden dazu ein: sei es für sportliche Aktivitäten, wissenschaftliche Themen, Kunst oder eben die örtliche Musikschule.

Eine Sache, die mich in der Stadt immer wieder begeistert, ist das wahnsinnig gut ausgebaute öffentliche Nahverkehrsnetz. Von A nach B im 5-Minuten-Takt, während ich mich auf dem Lande wohl eher nach den stündlichen Abfahrtszeiten des Busses richten muss. Ich als Nicht-gern-Autofahrerin bin da total gut aufgehoben und komme sogar nachts um drei gut gelaunt nach Hause zurück. Ein weiterer Vorteil vieler Großstädte ist der multikulturelle Austausch. In der Klasse meiner Tochter gibt es mehr ausländische Namen als deutsche. Der freundschaftliche Austausch unter den Kindern ist rege, es gibt Integrationsklassen für Flüchtlinge und häufig bekommt meine Kleine Besuch von Mitschülern aus anderen Nationen. Man lernt deren Eltern kennen und erfährt spannende Sachen über ihre Herkunftsländer. Die Kinder wachsen ohne Berührungsängste miteinander auf, was ich persönlich für sehr wichtig halte. In vielen Großstädten gibt es sogar ganze Viertel, die von einer fremden Kultur geprägt sind. Ist doch prima, dass ich für eine Art Kurzurlaub innerhalb von 20 Minuten nach „Little Istanbul“ fahren kann! Zudem glaube ich, dass die Stadt meinen Kindern später bessere Ausbildungs- und Jobchancen bieten wird … naja, falls Sie sich entscheiden, in unserer Nähe zu bleiben.

Auf den Punkt gebracht: In der Stadt ist die Auswahl an allem einfach riesig! Aber, wer die Wahl hat, hat auch die Qual und es fällt manchmal schwer, sich in der Freizeit für ein Event zu entscheiden. Außerdem ist der Weg ins menschenleere Grüne häufig mit einem großen zeitlichen Aufwand verbunden.

Grün & ruhig: Vorteile des Landlebens

Das ist in ländlichen Gegenden natürlich ganz anders. Dort fällt man in der Regel vom Bett ins Grüne. Man wohnt quasi inmitten von Natur, Seen, Flüssen, Wäldern und zieht in ein Zuhause mit Frischluftgarantie. Man hat mehr (vom) Horizont und Himmel und an sich einfach viel mehr Platz. Freies und lautes Herumtoben ist überhaupt kein Problem, die Kinder können sich stundenlang draußen entfalten und auspowern. Der Entdeckergeist der Kleinen wird durch die Vielfalt der Natur mehr gefördert, als wenn sie immer nur auf den selben eingezäunten Spielplatz gehen. Auch Umwelt- und Geräuschbelastungen sind in Dörfern um ein Vielfaches geringer. Ein weiterer Pluspunkt: Man kann Lebensmittel guter Qualität direkt vom Bauern nebenan kaufen. Und den Haustierzoo haben die Kinder quasi vor der Tür.

Klar, die Auswahl an vielen Dingen ist wesentlich geringer als in der Stadt. Vielleicht gibt es gerade mal einen Tante-Emma-Laden mit Postschalter, einen Bäcker und einen Fleischer. Auf dem Land ist folglich sehr viel weniger Konsum möglich. Aber kann das nicht auch erholsam sein? Ich sehe das sogar als Vorteil des ländlichen Wohnens gegenüber der Stadt. Okay, bis zum nächsten Kino oder Theater sind es viele, viele Kilometer und man kann nicht mal eben schnell in die U-Bahn springen und dort hinfahren. Aber vielleicht macht genau das kulturelle Ausflüge zu einem besonderen Ereignis… Ganz nach dem Motto: Weniger (und dafür ausgewählter) ist mehr! So kann man voller Vorfreude mit der gesamten Familie als kulturelles Highlight einen abwechslungsreichen Ausflug in die Stadt planen. Ich denke andererseits auch, dass die wunderbare Natur, die täglich zum Spazieren und Entdecken einlädt, sowie die günstigeren Mieten bzw. Immobilienpreise auf dem Lande die geringere Auswahl an kulturellen, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten ausgleichen. Zur Not gibt es ja immer noch den momentan boomenden Versand- und Zulieferhandel. Und einen Sportverein hat in Deutschland wohl selbst das kleinste Nest!

Wie gesagt, es gibt ja auch noch die Möglichkeit, die Vorteile beider Wohngegenden zu vereinen, indem man sich in Vororten großer Städte und deren Speckgürteln nach einer passenden Bleibe umsieht. Warum sollte man nicht alle Vorzüge auf einmal genießen? Irgendwas muss da ja dran sein. Denn Vorstädtler und „Landratten“ nehmen für ein Wohnen im Grünen sogar gern weite Strecken zum Arbeitsplatz in Kauf!

Land oder Stadt: Eine kleine Entscheidungshilfe

Die folgende Tabelle beschreibt verschiedene Wohnorttypen. Welcher Typ sind Sie? Suchen Sie in jeder Zeile die zu Ihnen passende Antwort und schauen Sie dann, in welcher Spalte Sie die meisten Treffer landen.

 

Typ A

Das trifft auf mich zu:

Typ B

Das passt am besten zu mir:

Typ AB

Das bin voll ich:

Ich muss einmal pro Woche Kultur erleben und wechsele dabei gern vom Kinofilm über eine Lesung oder Ausstellung zum Theaterdebüt. Kulturerleben findet bei mir vor allem im Garten statt, beim gemeinsamen Kuchenbacken oder Basteln von Kastanienmännchen. Ich bin für Vieles zu haben: Ob Waldspaziergang oder Kunstausstellung – ich gewinne allem etwas ab.
Im Sommer hole ich mir in einer angesagten Rooftop-Bar oder im Schwimmbad meine Erfrischung. Ich liebe die Klarheit unseres Bergsees um die Ecke: Nichts kann mich mehr abkühlen als das Schwimmen im See. Ich pendle im Sommer gern zwischen Balkonpool, Freibad und Kiesgrube. Hauptsache schön und nass!
Ich falle gern vom Bett direkt ins Büro. So kann ich abends auch schnell wieder bei meinen Kindern sein. Ich nehme eine Stunde Pendeln gern in Kauf – für Frischluft, Feldspaziergänge und leckere Lebensmittel vom Bauern nebenan. Der öffentliche Nahverkehr bringt’s. Da kann mein Arbeitsplatz ruhig etwas von Zuhause entfernt sein.
Echte Grillkultur kann es nur bei meinem Lieblingsjapaner oder auf der Dachterrasse unserer Freunde geben. Grillen am Lagerfeuer mit Marshmallows, Stockbrot & Co. ist und bleibt für mich das Größte! Grillen macht überall Spaß: mal im Freien, mal in einem ausgefallenen Restaurant.
Bei Partys will ich weiterhin am Ball bleiben. In-Clubs, Indi-Konzerte, Straßenfestivals: Ich will, dass es rockt! Partys verschwinden so langsam aus meinem Leben. Es sind eher die Familienfeste und Halloween-Umzüge, zu denen wir gehen. Die Mischung macht’s: mal ein ruhiger Spieleabend mit Freunden, mal Abtanzen in der Disko.
Ich bin leidenschaftlicher Bibliotheksgänger. Nach einer Woche brauche ich auf jeden Fall Nachschub. Bücher sind tolle Begleiter und Ratgeber. Doch das wahre Leben mit seinen Geschichten findet eh draußen statt – am liebsten im Wald. Buch hin oder her. Eine Bibliothek in der Nähe ist mir nicht so wichtig. Es gibt ja heute auch schnelle Lieferdienste.
Für meine Kinder wünsche ich mir vielfältige Anregungen, eine coole Kita und Freunde aus verschiedenen Kulturen! Für meine Kinder wünsche ich mir vor allem einen weiten Horizont, Waldluft und tägliche Naturerlebnisse! Für meine Kinder wünsche ich mir eine gute Balance aus Kultur und Natur, beides in Reichweite.

Großstadtfanatiker: Ohne Kino, In-Cafés und Galerien ist das Leben nix. Sie blühen nur inmitten von Stadttrubel auf – ganz sicher auch als Familie!

Landliebhaber: Sie entspannen bei Waldspaziergängen, Gartenarbeit und am See. Auch Ihre Kinder werden das lieben – Sie sind ihr großes Vorbild!

Vorortverfechter: Sie wollen auf nichts verzichten und die Vorzüge von Stadt und Land gleichermaßen genießen. Na dann – Suburb is calling!

 

Welche Kriterien lagen Ihrer Wohnortwahl zugrunde? Fühlen Sie sich, dort wo Sie leben, als Familie wohl? Was spricht für Ihren Lebensort? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten!

 

Über Julia

Über Katrin Lewandowski:
PR-Profi Katrin Lewandowski ist seit 2014 bei Betreut.de im Boot und verantwortet nun auch das Magazin. Als Mutter von zwei Kindern und mit einer älteren Schwiegermama im Gepäck weiß sie genau, wie es sich anfühlt, in der Sandwich-Position zu rudern und wie schwer es manchmal ist, Job und Familie unter einen Hut zu kriegen.


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