Woman wiping dust from shelf and other furniture in living room

Was sich an den Arbeitsbedingungen für Alltagshelfer (nach der Wahl) ändern muss

Eine aktuelle Umfrage von Betreut.de zeigt: Alltagshelfer mögen ihre Auftragsgeber und greifen den Familien mit großer Leidenschaft unter die Arme. Doch es gibt auch Bereiche, in denen sie sich mehr Unterstützung wünschen, insbesondere in Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein Aufruf an die Politik.

Alltagshelfer im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen sind aus Deutschland nicht mehr wegzudenken. Fast jede zweite Familie1 nimmt in irgendeiner Form Unterstützung in Anspruch, sei es als Babysitter, Nachhilfelehrer, Haushaltshilfe, Tierbetreuer oder Seniorenbetreuer. Die Betreuungspersonen selbst verrichten ihre Aufgaben mit großer Leidenschaft und dem guten Gefühl, eine sinnvolle und entlastende Tätigkeit für Familien ausüben zu können. Beschwerden hört man von ihnen eigentlich kaum. 66 % der sogenannten Alltagshelfer im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen sind derzeit mit ihrem Job zufrieden, wie eine neue Umfrage2 von Betreut.de ermittelt hat. Nur 13% sind unzufrieden. Das ist besser als die Jobzufriedenheit von Arbeitnehmern in Deutschland allgemein, wie sie beispielsweise in einer repräsentativen Umfrage der ManpowerGroup oder im Randstad Arbeitsbarometer dargestellt wird und besonders bemerkenswert, da es sich häufig um einen Nebenjob handelt. Unterstrichen wird dieser Aspekt zudem durch die Tatsache, dass ein Großteil den Wunsch äußert, die Tätigkeit als Alltagshelfer weiter auszuweiten. 

Verbesserungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen von Alltagshelfern 

Doch es gibt bei den Arbeitsbedingungen noch viel Luft nach oben, wie die von Betreut.de durchgeführte Umfrage mit insgesamt 500 Alltagshelfern aus den verschiedensten Bereichen der haushaltsnahen Dienstleistungen (keine Betreut.de-Mitgliederumfrage) zutage bringt. Und diese haben sich in Pandemie-Zeiten noch verschärft. 57 % der Alltagshelfer bewerteten die Coronakrise als große Herausforderung. Dies hängt wahrscheinlich mit den Kontaktbeschränkungen und anderen Restriktionen zusammen, die die Aufnahme neuer Tätigkeiten erschwert haben. Dazu beigetragen hat aber sicherlich auch der oftmals fehlende Arbeitsschutz. Verträge und andere Absicherungen, wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die in anderen Berufen selbstverständlich sind, werden bei haushaltsnahen Dienstleistungen oft nur selten angewandt. Das muss sich ändern, meinen die Anbieter. 89% wünschen sich, dass der Staat mehr für sie tut.  

Für über die Hälfte (51 %) der befragten Helfer ist dabei eine bessere Bezahlung entscheidend. Denn, obwohl nur 7 % der Umfrageteilnehmer die Löhne dieser Jobs als großen Nachteil sehen, liegen diese in der Regel nur im niedrigen Bereich.

Im Unterschied zum klassischen schwarzen Brett oder der Empfehlung von Nachbarn, gibt es bei Betreut.de einige Initiativen, die Alltagshelfern bei der Ausübung ihrer Jobs entsprechende Absicherungen verschaffen sollen. Da es sich um einen Online-Marktplatz handelt, entscheiden Alltagshelfer vollkommen frei, für wen sie arbeiten und welche Stundenlöhne sie veranschlagen möchten. Werbung mit Dumpinglöhnen wird nicht gestattet, im Gegenteil, Betreut.de weist ausdrücklich auf die Einhaltung des Mindestlohns hin und führt zudem in vielen Bereichen die lokalen Durchschnittslöhne zur Orienierung mit an. Unser Online-Magazin hält außerdem Musterverträge, Informationen über sinnvolle Versicherungen, Ratgeber zum Umgang mit Corona und vieles mehr sowohl für Alltagshelfer als auch für Familien parat, die das Beschäftigungsverhältnis somit aufgeklärt und selbstbestimmt gestalten können.  

Minijobs sind ein Ansatz, genügen aber nicht den Verdienstvorstellungen der Alltagshelfer  

Die Zufriedenheit der Alltagshelfer würde sich neben einer besseren Bezahlung auch durch bezahlten Urlaub (45 %), bessere Absicherung im Krankheitsfall (39 %) und weitere Arbeitsschutzmaßnahmen erhöhen. Viele dieser Verbesserungsfaktoren finden sich in den Konzepten der Mini- oder Midijobs wieder. Diese stellen sicher, dass der Mindestlohn gezahlt wird. Außerdem kommen Urlaubstage, Kündigungsschutz und andere Arbeitsrechte zur Geltung. Doch es gibt ein Dilemma. Denn Mini- und Midijobs sind auch an strikte Einkommensgrenzen gebunden. Ein Minijobber darf aktuell höchstens 450 EUR verdienen; der stufenweise sozialversicherungspflichtige Midijob würde bis zu 1300 EUR erlauben. Dies steht jedoch im Widerspruch zu den Ansprüchen der Alltagshelfer. Denn die Mehrheit der Befragten (62 %) würde mit ihrer Arbeit im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen am liebsten mehr als 1300 EUR verdienen. Ein großer Anteil möchte zudem auch mehr arbeiten: 35% der Alltagshelfer möchten ihre Stunden gerne erhöhen, im Vergleich zu nur 14%, die ihre Stunden reduzieren wollen. In diesem Fall bleibt noch die vollständig sozialversicherungspflichtige Anstellung.

Da Haushaltshilfen und Babysitter in der Regel für mehrere Familien arbeiten müssen, um mehr als 1.300 Euro verdienen zu können, bietet sich oft auch die Selbstständigkeit an, etwa durch die Anmeldung eines Kleingewerbes – dies hat jedoch wiederum den Wegfall vieler Arbeitsschutzmaßnahmen zur Folge. All das trägt dazu bei, dass viele nebenberufliche Tätigkeiten oft schwarz ausgeführt werden. Nach Schätzungen der Minijobzentrale liegt der Anteil von Haushaltshilfen, die illegal arbeiten – sich also nicht z.B. als Mini- oder Midijobber registrieren lassen – bei etwa 80 %.  

Das gegenwärtige Konzept für geringfügige Beschäftigungen im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen ist noch ausbaufähig. Dabei könnte eine Rolle spielen, dass viele Alltagshelfer nicht allein durch ein höheres Einkommen (z.B. zusätzlich zum Hauptjob, zur Rente oder Bafög) zur Ausübung der Jobs im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen motiviert wurden, wie es bei vielen anderen Nebenjobs der Fall ist, sondern vor allem an der Tätigkeit selbst Freude haben. Zwei Drittel (62 %) der Befragten nennen die Menschen, für die sie arbeiten, als größten Vorteil ihres Jobs und 54 % genießen es ganz grundsätzlich anderen Familien mit ihrer Arbeit helfen zu können. Aus unserer eigenen Community wissen wir zum Beispiel, dass insbesondere in der ambulanten Pflege bzw. Seniorenbetreuung zu wenig Zeit für den Menschen ein wesentlicher Treiber ist, eher privat Kunden zu suchen, wo sie sich ihre Zeit selbst einteilen können.  

Ein Handlungsfeld für die Politik 

Die Aussichten darauf, diese geliebten Tätigkeiten weiter ausbauen zu können, sind aktuell nicht besonders gut. Die bevorstehende Bundestagswahl könnte in dieser Hinsicht neue Chancen eröffnen. Gerade Alltagshelfer im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen legen dabei einen großen Fokus auf die Regelungen für Minijobber. 82% der Befragten sagen, dass diese ein wesentliches Kriterium ihrer Wahlentscheidung darstellt.   

Erfreulicherweise haben die Parteien einige Vorhaben, um die Bedingungen zu verbessern. Das Portal Haufe.de hat hierzu eine sehr übersichtliche Gegenüberstellung der Pläne der Parteien zusammengestellt. Von der Anhebung der Mini-und Midijobgrenzen bis zur Einbeziehung in die Sozialversicherung sind einige Ansätze dabei. In der öffentlichen Debatte finden diese Punkte jedoch kaum Gehör. Nur 18 % der befragten Alltagshelfer haben das Thema um die Minijobs in der Öffentlichkeit wahrgenommen.  

Die Politik täte gut daran, den Arbeitsbedingungen im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen mehr Gewicht zu verleihen. Nicht zuletzt, weil die Helfer, die den Alltag von so vielen Familien in Deutschland wesentlich erleichtern, eine wichtige Wählergruppe darstellen, die das Wahl- und Politikgeschehen aufmerksam verfolgt.  94 % haben vor zur Wahl zu gehen und ebenfalls 94 % verfolgen die Wahlen zumindest einigermaßen aufmerksam oder planen dies in Kürze. 60 % verfolgen die Wahlen sehr aufmerksam.  

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1 45%; Repräsentative Umfrage von DKC Analytics im Auftrag von Betreut.de/Care.com von November 2020 mit 500 Eltern. 

2 Umfrage von DKC Analytics im Auftrag von Betreut.de/Care.com von September 2021 mit 500 Alltagshelfern, definiert als Menschen, die einen Teil ihres Einkommens mit familiennahen Dienstleistungen einnehmen; diese umfassen die Betreuung von Kindern, Senioren oder Haustieren sowie Tätigkeiten im Haushalt einer anderen Person oder Familie, beispielsweise als Einkaufshilfe oder Putzhilfe.  



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