141205_Bild_Magazin_Sind meine Eltern fitBrauchen sie Hilfe

Eltern zur Vorsorge raten

Sensible Themen konfliktfrei klären

Die Eltern dazu zu bringen, für gewisse Fälle vorzusorgen, ist nicht immer einfach. Punkte die es zu klären gilt, und wie Sie als Kind richtig agieren, um die Situation konfliktfrei zu klären.

Die Eltern werden nicht jünger – und der ein oder andere tut sich schwer damit, sich das einzugestehen. Als Kind jedoch ist es wichtig zu wissen, ob für das Alter entsprechend Vorsorge getroffen wurde. Denn wenn beispielsweise ein Pflegefall eintritt, gibt es schließlich wichtigeres, um das es sich zu kümmern gilt als um Papierkram. Da ist es wichtig zu wissen, wer in einem solchen Fall die Entscheidungen treffen soll, welches Verhalten sich die Eltern wünschen und wie es weitergeht – damit der Kopf frei ist für die Organisation einer adäquaten Betreuung Ihrer Lieben. Das sensible Thema bei den Eltern anzubringen, ist hingegen nicht gerade leicht. Viele ängstigen sich vor dem Gedanken, dass etwas passieren könnte und vermeiden lieber jegliche Auseinandersetzung damit. Um Konflikte zu verhindern, ist daher eine gewissen Sensibilität und viel Verständnis gefragt.

Den richtigen Zeitpunkt erkennen

Zu erleben, wie die Eltern altern, kann problematisch sein. Vor allem wenn kognitive Fähigkeiten nachlassen, Vergesslichkeit eintritt oder Schwierigkeiten bei der Fortbewegung das Leben erschweren. Dann sind die Kinder gefragt, die mit Herz zur Sache schreiten und sich genauer anschauen: Brauchen meine Eltern Hilfe? Das ist auch der Zeitpunkt um zu überprüfen, ob bereits eine Vorsorge in Form von Vollmachten oder ähnlichem getroffen wurde, ohne dass die Eltern es mitgeteilt haben – das kann durchaus der Fall sein.

Aber auch früher lohnt es sich bereits, vorsichtig zu erfragen, wie es um die Wünsche der Eltern steht, ob es Vollmachten gibt und gewisse Dinge geregelt sind. Experten raten, sich ab dem 60. Lebensjahr langsam mit dem Thema auseinander zu setzen – schließlich kann immer etwas passieren. Auch als Kind können Sie unterstützend einwirken und das Thema „Vorsorge“ vorsichtig ansprechen.

Das Thema ansprechen

Vollmachten ausstellen

Das Thema anzusprechen, kann bei einem sensiblen Gegenüber schwierig sein. Nicht jeder geht mit dem Alter locker um, viele haben Schwierigkeiten, sich damit abzufinden, dass nach und nach Einschränkungen kommen, beispielsweise das sichere Wohnen im Alter noch gewährleistet ist,  und irgendwann auch Sachen passieren können, die so nicht geplant waren. Deswegen ist es wichtig, verständnisvoll zu agieren und keinen Zwang auszuüben. Das Gespräch selbst sollte in einer unbelasteten Situation stattfinden, so dass keine negativen Gefühle mit einfließen. Vielleicht kann es helfen, sich zusammen damit auseinanderzusetzen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und im gleichen Zug selbst alle möglichen Dokumente auszufüllen. Wenn Sie Geschwister haben, sollten sie auch untereinander klären, wer welche Dinge in Zukunft übernehmen kann.

Die wichtigsten Punkte, die es zu klären gibt, sind offizielle Angelegenheiten. Bankgeschäfte, Vertragsangelegenheiten, wie die Kündigung des Telefonanschlusses oder ähnliches, die unnötig ins Geld gehen wenn sie nicht mehr benötigt werden – all diese Dinge können mit einer Vorsorgevollmacht abgedeckt werden. Das Dokument sorgt dann dafür, dass der Bevollmächtigte alles für den Aussteller regeln kann und dieser keine unnötigen Steine in den Weg gelegt bekommt. Besonders deswegen gilt es aber, die Vollmacht wasserdicht zu machen und von einem Notar oder Rechtsanwalt beglaubigen zu lassen. Das verhindert eine spätere Anzweifelung des Dokuments.

 

Patientenverfügung erstellen

Ebenfalls sinnvoll ist die Erstellung einer Patientenverfügung, die regelt, wie im Ernstfall vorgegangen werden soll. Mit einer Patientenverfügung, die genaue Anweisungen enthält, werden die Angehörigen von schweren Entscheidungen entbunden, werden Abläufe vereinfacht und sichergestellt, dass alles nach dem eigenen Willen geht. Diese ist nicht grundsätzlich in der Vorsorgevollmacht mit inbegriffen und sollte deswegen nicht damit verwechselt werden, kann jedoch tatsächlich damit kombiniert werden.

Zentraler Aspekt bei der Erstellung einer Patientenverfügung ist ihre Eindeutigkeit: „Eine Patientenverfügung muss dem Stresstest standhalten. Dem Fall also, dass Uneinigkeit herrscht zwischen Familienangehörigen und Ärzten und ich selbst nicht mehr bestimmen kann“, sagt Notar Andreas Lohmeyer dazu und rät, keine Auslegungsfragen oder Widersprüche im Dokument zuzulassen. „Es geht darum, den Adressaten – Ärzten und Pflegepersonal – eine klare Handlungsanweisung zu geben, sei es für den Sterbeprozess oder zum Beispiel für die Gabe von Schmerzmitteln in einer Dosierung, die eigentlich nicht gesund ist und als Nebenwirkung sogar das Leben verkürzen kann.“

 

Wichtige Unterlagen zusammenstellen

Wenn Sie die Eltern bei Zeiten bei der Erstellung unterstützen, kann auch über die Vorgehensweise gesprochen werden. So ist sichergestellt, dass Sie die Wünsche der Eltern kennen. Gemeinsam kann dann auch ein Ordner angelegt werden, in dem alle wichtigen Dokumente platziert sind, Zugangsdaten, PINs und Passwörter notiert sind, so dass im Ernstfall nichts vergessen wird. Es ist dabei besonders wichtig, dass klar darüber gesprochen wird, dass es sich um eine Risiko-Absicherung handelt, so dass sich niemand angegriffen fühlt. Sie könnten sich auch solidarisch zeigen und  gleichzeitig mit Ihren Eltern diese Unterlagen für sich selbst ausfüllen: Denn was auch jüngeren Leuten passieren kann, ist schließlich immer ein Risiko-Fall und eine reine Absicherung – das hemmt die Berührungsangst.

 

Zur Vorsorge raten Infografik 1

Keine Bevormundung

Wichtig ist bei diesem sensiblen Thema, dass bei Ihren Angehörigen nicht das Gefühl der Bevormundung aufkommt. Schließlich geht es bei der Erstellung der Dokumente um deren eigenen Willen in einer Notsituation. Sie ermächtigen den Betroffenen, zu handeln, wenn es ihnen selbst nicht mehr möglich ist – zwar durch andere, aber nach dem eigenen Willen. Das sollten Sie Ihren Eltern klar machen, wenn sie sich vor dem Thema Vorsorge verschließen. Ebenfalls kann es helfen, die eigene Hilflosigkeit darzustellen, wenn wirklich etwas passieren sollte – schließlich leben die Eltern ihr eigenes Leben und kommunizieren nicht jeden Vertragsabschluss mit Ihnen oder hinterlassen konkrete Anweisungen.

Tipp: Noch wichtiger sind die Dokumente jedoch, wenn kein Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Betroffenen und dem Bevollmächtigten besteht. Lebensgefährten haben keine Entscheidungsgewalt und dürfen in manchen Fällen nicht mal zu dem geliebten Menschen. An dieser Stelle vorzusorgen und den Partner zu ermächtigen, sorgt dafür, dass ihm nicht die Hände gebunden sind, wenn der Ernstfall eintritt.

 

Zur Vorsorge raten Infografik 2

Das Abschließen

Beim Erstellen der Dokumente ist es wichtig, auf rechtsgültige Formulierungen zu achten. An dieser Stelle eine Beratung in Anspruch zu nehmen, ist eine sinnvolle Investition, damit die Mühe am Ende nicht vergeblich war und die Vollmacht oder die Verfügung keinen Bestand hat. Ebenso wichtig ist es, die Dokumente zugänglich zu machen. Es gibt spezielle Datenbanken, bei denen sie hinterlegt werden können, außerdem sollte ein Exemplar dem Bevollmächtigten ausgehändigt werden – damit dieser überhaupt über die Regelung Bescheid weiß, wenn es nicht gemeinsam besprochen wurde.

In jeder Situation ist eine gewisse Behutsamkeit erforderlich, es sollte also klar sein, wie wichtig die Vorsorge ist und dass es nicht rein auf das Alter bezogen ist – vielmehr auf die Risiken, die ein normales Leben eben birgt. Mit Verständnis, Eigeninitiative und Informationen sind Sie dann gut gerüstet für das wichtige Gespräch.

 

 



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