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Ist Ihr Kind reif genug, um in den Ferien allein zu Hause zu bleiben?

Schulkinder haben 6 Wochen Sommerferien, die Eltern jedoch nicht. Irgendwann erreichen die Kinder ein Alter, in dem sie tagsüber auch allein zu Hause bleiben können. Doch zuvor sollten Eltern einiges in Betracht ziehen.

Wohin mit dem Kind in den Schulferien? Diese Frage beschäftigt Eltern während des Sommers. Viele Einrichtungen wie Horte bieten eine Ferienbetreuung an. Etliche Eltern geben ihr Kind zu Oma und Opa. Doch irgendwann ist die Zeit gekommen, dass Kinder auch allein zu Hause bleiben können, wenn sie dies möchten. Es gibt mehrere Anzeichen dafür, wie Eltern herausfinden können, wann das Kind reif genug ist, um allein zu Hause zu bleiben. Erfahren Sie hier mehr.

Wie reif ist Ihr Kind?

Jedes Kind hat ein unterschiedliches Wesen, was die Entscheidung, ab wann es reif genug ist, um alleine zu Hause zu bleiben, nicht immer leicht macht. Der Experte Klaus Hurrelmann, Professor für Public Health and Education, rät Eltern, auf ihr Bauchgefühl zu hören: „Pauschale Regeln helfen hier gar nicht weiter.“  Daher sollten einige Fragen bezüglich des Charakters des Kindes im Vorfeld bedacht werden.

Der Experte Hurrelmann rät: Väter oder Mütter sollten ein genaues Gefühl davon haben:

 

  • Was kann mein Kind?
  • Was kann ich ihm zutrauen?
  • Was sind Extremsituationen?
  • Wovor hat mein Kind Angst?
  • Worauf freut es sich?
  • Hat mein Kind Lust auf die Alleine-Zeit?
  • Kommt die Herausforderung der Alleine-Zeit bei meinem Kind positiv zum Klingen?

 

Klären Sie Fragen wie diese, bevor Sie Ihr Kind alleine zu Hause lassen.

Erfahrungen sind wichtig.

Ob Ihr Kind reif genug ist, um alleine zu Hause zu bleiben, hängt stark von dessen bisherigen Erfahrungen ab. „Wenn Ihr Kind es gewohnt ist, häufiger allein zu sein, ist das einfacher, zum Beispiel bei Alleinerziehenden“, weiß Klaus Hurrelmann. Dennoch gibt es absolute Altersgrenzen, unter denen es  nicht für längere Zeit allein gelassen werden sollte. „Ein Kind unter 10 Jahren allein zuhause zu lassen, sollte die absolute Ausnahme sein und sich höchstens auf 1 bis 3 Stunden beziehen“, weist Klaus Hurrelmann hin. Soll ein Kind, wie etwa in den Ferien, häufiger allein zu Hause bleiben, rät der Experte zu einem höheren Alter:  „In der Ferienzeit, bei 1 bis 2 Wochen, kann man dem Kind ab 12/13 Jahren vertrauen, ansonsten würde ich versuchen, andere Arrangements zu finden.“

Alleinsein sollte keine Entzugszeit sein.

Kinder, die während der Ferien allein zu Hause bleiben, sollten diese Zeit nicht als Entzugszeit von ihren Eltern empfinden, sondern diese Zeit als Belohnung sehen, erklärt Klaus Hurrelmann. Daher ist es auch von Vorteil, wenn die Kinder nicht allein, sondern mit ihren Geschwistern oder einem Nachbarkind zu Hause bleiben. Sprechen Sie sich daher mit anderen Eltern ab und erfragen Sie deren Arbeitszeiten. Manchmal lohnt es sich auch, mit Nachbarn einen Babysitter zu teilen („Babysitter-Sharing“), der zeitweise auf die Kinder aufpasst. So müssen Sohn oder Tochter keinen gesamten Tag allein zu Hause bleiben und haben gleichzeitig die Möglichkeit, etwas mit jemandem zu unternehmen.

Die Vorbereitung zählt.

Bereiten Sie sich und Ihr Kind auf die Zeit des Alleinseins vor. Bevor Sie Ihr Kind gleich ein oder zwei Wochen allein zu Hause lassen, sollte es vorher schon  einige Male für mehrere Stunden allein gewesen sein. Wichtig ist, dass Sie die unmittelbare Nachbarschaft informieren, die die Aufsicht entweder mit übernehmen kann oder schnelle Hilfe in bestimmten Situationen leisten kann.

 

Bevor Sie Ihr Kind unbeaufsichtigt lassen, ist es ratsam, zu testen, wie es sich in gewissen Situationen verhält:

 

  • Macht es sofort die Tür auf, wenn es klingelt oder guckt es zuerst durch das Fenster/den Spion?
  • Hat es Zugang zu den Nachbarn, um diese bei Bedarf um Hilfe zu bitten?
  • Wie reagieren Tochter oder Sohn, wenn etwas in der Küche überkocht?

 
Sollte sich Ihr Kind dennoch unwohl fühlen, sollten Sie dringend eine Alternativbetreuung suchen. Notfall-Babysitter finden Sie beispielsweise online bei Betreut.de.

 

Zur Person Klaus Hurrelmann

 

Hurrelmann

Er hat sich bei seinen eigenen Kindern im Wesentlichen an die oben genannten Richtlinien gehalten. Zudem hat Klaus Hurrelmann immer versucht, seine Kinder nicht allein, sondern mit dem Geschwisterkind daheim zu lassen. Er studierte Soziologie, Psychologie und Pädagogik. 1975 habilitierte er sich mit der Schrift „Erziehungssystem und Gesellschaft“.

 

Hurrelmann war Mitbegründer des Zentrums für Kindheits- und Jugendforschung in Bielefeld. Seit 2009 ist Klaus Hurrelmann Senior Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin.  Er hat, teilweise in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen, mehrere Lehrbücher publiziert. Dazu gehört „Kinder stark machen für das Leben: Herzenswärme, Freiräume und klare Regeln“.

 





Kommentare
  1. Ist Ihr Kind reif genug, um in den Ferien allein zu Hause zu bleiben?
    Shqipe AL | Dienstag,September 13.2016

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