Antiautoritäre Erziehung – Sind Sie zu locker?

Antiautoritäre Erziehung

Sind Sie zu locker?

Welche Probleme können auftreten, wenn Eltern die Erziehung „zu“ locker nehmen und welche Guten Seiten hat eine antiautoritäre Erziehung?

Sagen Sie „Ja und Amen!“ zu allem, das Ihr Kind fordert? Möchten Sie lieber der beste Freund Ihres Sprösslings sein? Geben Sie häufig nach, um den Frieden zu Hause zu bewahren? Wenn ja, dann gehören Sie vermutlich zu all jenen Eltern, die man als antiautoritäre Eltern bezeichnet.

Was ist antiautoritäre Erziehung?

„Die antiautoritäre Erziehung, auch bekannt als ,Permissiver Erziehungsstil‘ oder dem ,Laissez-faire Erziehungsstil‘ ist eine nachgiebige Erziehung“, sagt Dr. Donna Pincus, Autorin von „Growing Up Brave“ und Professorin am Institut für Psychologie und Hirnforschung an der Boston University. „Sie fordern von Ihren Kindern nichts ein und sind sehr nachsichtig. Sie erwarten nichts von ihnen, und wenn die Kinder etwas wollen, bekommen sie es.“
Antiautoritäre Eltern sind warmherzig und verantwortungsbewusst gegenüber ihren Kindern und werden häufig als Freunde betrachtet. „Anstatt gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln, sagen Sie ganz einfach: Du willst einen Cupkake? Dann bekommst du einen Cupcake!“, sagt Dr. Pincus. Oder Sie kaufen ihrem Kind das überdimensional große Stofftier im Supermarkt, um zu vermeiden, dass es Ihnen während des Einkaufens eine Szene macht. Ein Kind, dass mit dem antiautoritären Erziehungsstil aufwächst, kennt keine Konsequenzen für schlechtes Verhalten und setzt seinen eigenen Kopf durch.

Weshalb antiautoritäre Erziehung oft nicht funktioniert

Sicherlich gehört das Durchsetzen von Regeln nicht unbedingt zu den liebsten Aufgaben von Eltern, doch Strukturen sind wichtig, sagen Experten. Ihr Kind zu verwöhnen mag den Konflikt vorübergehend lahm legen, dennoch wird davon abgeraten. Auch wenn es schwierig sein mag, Ihrem Kind Grenzen zu setzen – vor allem mitten in einem Trotzanfall– so sagt Dr. Pincus, dass es genau diese Grenzen sind, die Kinder brauchen.

Kinder von Eltern, die zu nachgiebig sind, weisen ein erhöhtes Aktivitätslevel auf und tendieren eher zu Alkoholmissbrauch, wenn Sie älter sind, sagt Dr. Michael Assel, Psychologe und Professor der Kindermedizin am Gesundheitsinstitut der Universität von Texas, welcher sich intensiv mit der antiautoritären Erziehung beschäftigt. „Wenn es zu Hause keine Regeln gibt, kann Ihr Kind nicht lernen, seine eigenen Emotionen zu kontrollieren“, sagt er. „Diese Kinder können sehr schnell die Fassung verlieren und äußerst fordernd sein.“ Kinder in permissiven Familien neigen eher zu Impulsivität, können ihr Verhalten nicht kontrollieren oder nur schlecht mit Grenzen umgehen.

„Wir verhandeln tagtäglich im Leben. Aber manche Dinge im Leben eines Kindes sind nicht verhandelbar“, sagt Dr. Assel. „Sie die Regeln bis zu einem bestimmten Grad befolgen und Dinge tun, um ein gesundes Individuum zu sein.“

Das Gute des antiautoritären Erziehungsstils annehmen

Keiner mag übermäßig nachgiebige Eltern oder verwöhnte Kinder, aber hier finden sie ein paar Praktiken des „Laissez-faire“ Erziehungsstils, die es laut Experten wert sind, übernommen zu werden:

  • Kinder eine altersgerechte Entscheidung überlassen
    Lassen Sie Ihre Kinder beispielsweise entscheiden, was Sie zur Schule anziehen oder was sie zu Abend essen wollen.

 

  • Seien Sie aufmerksam und hören Ihren Kindern zu
    „Warmherzig und verantwortungsbewusst“ sind keine schlechten Charakterzüge, und es gibt keinen Grund, weshalb man nicht so mit seinen Kindern umgehen sollte“, sagt Dr. Assel.

 

  • Vertrauen Sie Ihren Kindern
    Auch wenn Sie Ihren Kindern gegenüber autoritär auftreten, wenn diese noch jünger sind, so können Sie die Zügel etwas lockern und ihnen mit zunehmendem Alter mehr Freiheiten lassen, schlägt Dr. Assel vor. „Wenn wir in den Urlaub gefahren sind, durften meine Kinder (als junge Teenager) Zeit alleine am Pool verbringen.“ Investieren Sie jetzt all die Arbeit und profitieren Sie später von dem Vertrauen.

 

  • Bleiben Sie flexibel
    Es gibt nicht immer die richtige oder falsche Antwort, sagt Dr. Pincus. Letztendlich entscheiden Eltern selbst, was Sie durchsetzen und was nicht.

 

Nun gehen Sie vermutlich einige der vergangenen Interaktionen mit Ihrem Kind durch und versuchen herauszufinden, ob Sie zu nachgiebig sind. Aber laut Dr. Assel fallen die meisten Leute nicht nur unter einen Typ von Eltern. „Flexibilität ist wichtig“, sagt er. Sie kennen Ihr Kind am besten und wissen, welche Technik in bestimmten Situationen angebracht ist. „Denken Sie an ein Pendel, das zwischen zwei Punkten hin- und herschwingt – in diesem Fall permissiv und autoritär“, fügt er hinzu. „In der Regel fahren Sie am besten, wenn Sie sich als Eltern für die goldenen Mitte entscheiden.“

 

Dieser Artikel über antiautoritäre Erziehung erschien ursprünglich hier und wurde aus dem Englischen übersetzt.



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