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Wie frage ich nach einer Gehaltserhöhung?

Tipps für die Gehaltsverhandlung

Gespräche mit dem Arbeitgeber sollten gut vorbereitet sein, insbesondere wenn Sie etwas von ihm möchten. Doch wie stellen Sie als Alltagshelfer am besten die Frage nach mehr Gehalt? Eine Expertin gibt Tipps.

Sie sind jemand, der Familien ständig oder sogar täglich unter die Arme greift? Damit gehen Sie einer sehr erfüllenden Tätigkeit nach. Wenn Sie schon seit einiger Zeit bei der selben Familie beschäftigt sind und sich Ihre Erfahrungen sowie Verantwortlichkeiten mehren – Ihr Gehalt jedoch nicht – dann wird es Zeit, eine Gehaltserhöhung anzusprechen.

Gerade für Alltagshelfer ist es eine Herausforderung, den Arbeitgeber nach mehr Geld zu fragen, denn häufig ist das Verhältnis ein sehr persönliches, gar familiäres. Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, den passenden Moment und den richtigen Ton für das Gehaltsgespräch zu finden.

1. Der richtige Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung

Die meisten Unternehmen nutzen einmal jährlich ein Personalgespräch, um sich mit dem Mitarbeiter auszutauschen – auch zum Thema Gehaltserhöhung. In diesem Zuge wird dann häufig das Gehalt angepasst. Wenn Sie als Babysitter, Tierbetreuer oder Haushaltshilfe also schon mehr als ein Jahr für eine Familie arbeiten, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt für ein Gehaltsgespräch sein. Wenn Sie noch nie ein Feedbackgespräch mit Ihrem Arbeitgeber hatten, fragen Sie einfach danach. Der gemeinsame Rückblick auf Ihre Arbeit ist ein perfekter Ausgangspunkt für die Gehaltsverhandlung.

Außerdem sind große Ereignisse oder Herausforderungen, die bevorstehen bzw. gut bewältigt wurden, ein passender Ansatzpunkt für ein Gehaltsgespräch. Wenn Sie beispielsweise den Frühjahrsputz für die Familie übernehmen oder weiterer Nachwuchs im Haus ansteht, sind dies gute Gründe für eine Lohnerhöhung.

2. Der richtige Rahmen für das Gehaltsgespräch

Da Sie als Profi wahrgenommen werden wollen, sollten Sie die Frage nach mehr Geld nicht zwischen Tür und Angel stellen. Schließlich fällt Ihre Ernsthaftigkeit in dieser Sache auch bei Ihrem Arbeitgeber ins Gewicht. Er wird Ihr Anliegen anerkennen, wenn Sie ihm einen Termin für das Gespräch vorschlagen. So können Sie sich beide Seiten genügend Zeit nehmen. Am besten verabreden Sie sich außerhalb Ihrer Arbeitszeit an einem neutralen Ort. Kinder sollten auch nicht dabei sein.

Elke Flettner, Lob-Expertin und Coach für Karrierefragen, weiß, in welchem Rahmen Sie nach einer Gehaltsverhandlung fragen können: „Bitten Sie um einen Termin, an dem Sie beide Zeit haben und ungestört reden können. Ihre Chancen für eine positive Entscheidung Ihres Arbeitgebers können Sie erhöhen, indem Sie vorab in Gedanken ein bejahendes Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber durchspielen. Stellen Sie sich Ihren Arbeitgeber vor, wie er Ihnen gerne eine Gehaltserhöhung bewilligt und glücklich ist, Sie als Mitarbeiterin zu haben. Der Trick dabei ist folgender: Wenn Sie diese Situation einmal vor Ihrem inneren Auge durchgespielt haben, nimmt ihr Unterbewusstsein die Gehaltserhöhung als Ihren Wunsch an und wird aktiv, Sie dabei zu unterstützen. Das strahlen Sie dann auch aus und erzeugen entsprechende Anziehungskräfte.“

3. Der richtige Ansatz für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung

Sicher ist die Arbeit als Kinderbetreuer, Tiersitter oder Seniorenbegleiter hochemotional. Dennoch bleiben Sie eine professionelle Hilfe. Das bedeutet, Sie sollten nicht an die Emotionalität Ihres Arbeitgebers appellieren, indem Sie private Gründe für die Frage nach mehr Gehalt nennen. Diese Herabsetzung Ihrerseits könnte die Familie in eine missliche Lage versetzen, vor allem wenn deren Budget nicht ausreicht, um den Lohn zu erhöhen.

Elke Flettner gibt zudem Tipps zum richtigen Ton im Gehaltsgespräch: „Sie sollten in keinem Fall versuchen, den Arbeitgeber zu erpressen – das ist unprofessionell und hat einer Gehaltsverhandlung nichts verloren! ‚Wenn ich keine Gehaltserhöhung bekomme, dann kündige ich!‘ Durch solche Drohungen wecken Sie Emotionen bei Ihrem Arbeitgeber, die Sie nicht weiterbringen und verspielen die Loyalität. Und schnell könnten Sie ohne Job dastehen.“

Vielmehr ist selbstsicheres Auftreten während einer Gehaltsverhandlung angebracht: „Seien Sie es sich wert, eine Gehaltserhöhung zu bekommen! In erster Linie müssen Sie selbst überzeugt sein, dass Sie eine Gehaltserhöhung verdienen. Fragen Sie sich selbst: Wieso steht mir eine Gehaltserhöhung zu? Welche erfreulichen Ergebnisse habe ich für die Familie bzw. meinen Arbeitgeber vorzuweisen? Habe ich besondere Fähigkeiten und/oder Kenntnisse, welche für meinen Arbeitgeber von zusätzlichem Nutzen sind? Sammeln Sie Argumente für die Gehaltserhöhung und notieren Sie sich mindestens zehn Antworten auf die Frage: Wieso bin ich für meinen Arbeitgeber ein wertvoller Mitarbeiter? Mit diesem Selbstbewusstsein wird es Ihnen leichter fallen, Ihren Arbeitgeber anzusprechen.“

4. Die richtige Höhe des Stundenlohns

Das Wichtigste in einem Gespräch über die Bezahlung ist, den durchschnittlichen Stundenlohn für Ihr Jobprofil in Ihrer Region zu kennen. Mit dieser Information finden Sie heraus, ob Sie gleichauf mit Alltagshelfern in Ihrer Umgebung sind und haben eine gute Argumentationsgrundlage. Nutzen Sie die Stundenlohnrechner von Betreut.de für Babysitter, Tiersitter und Haushaltshilfen, um das durchschnittliche Gehalt in Ihrer Nähe herauszufinden oder informieren Sie sich auf Webseiten Ihrer Branche zu üblichen Tarifen für Ihre Arbeit.

Wenn Sie nach einer Gehaltserhöhung fragen, sollten Sie sich zudem über die angemessene Steigerung im Klaren sein. Elke Flettner rät hierzu: „Eine genaue Vorgabe gibt es nicht, das kommt auf den Einzelfall an. Wenn Sie richtig gut und von sich überzeugt sind, dann wären 20 Prozent ein passender Richtwert, um in die Verhandlungen zu starten. Damit lassen Sie Ihrem Arbeitgeber Luft, mit Ihnen zu verhandeln. Dann hat auch er ein genugtuendes Gefühl und Sie am Ende immer noch die gewünschten zehn Prozent. Jedoch werden Sie möglicherweise erstaunt sein, dass mit Ihrem neuen Selbstbewusstsein über sich und die neue Klarheit über Ihren Wert, Ihr Chef bzw. Ihre Familie gar nicht handeln wollen.“

5. Die richtige Reaktion Ihrerseits

Die Karriereberaterin Elke Flettner rät zur Ruhe im Falle eines negativen Feedbacks und wenn die Gehaltsverhandlung nicht läuft, wie gewünscht: „Wutausbrüche sind in so einer Situation nicht geeignet. Sie können schnell zu längerfristigen Verstimmungen führen, mit denen Sie sich letztendlich nicht wohl fühlen. Eine Absage verstehen können Sie nur durch Nachfragen. Wenn es mit der Souveränität in diesem Augenblick nicht so funktioniert, dann sollten Sie das Rückfragegespräch vertagen. Folgende Fragen sind sinnvoll, um auf beiden Seiten Verständnis zu wecken: Fragen nach den Gründen für die Absage und nach Tipps, was Sie verbessern können. Ist Ihr Arbeitgeber mit Ihren Leistungen unzufrieden? Oder gibt es andere Gründe? Oder liegt es an Umständen, auf die Sie keinen Einfluss haben, z.B. ein finanzieller Engpass? Hier eine sehr geschickte Frage: Was sind die Voraussetzungen für eine Gehaltserhöhung? Mit der Antwort Ihres Arbeitgebers auf diese Frage haben Sie einen Ansatzpunkt, den Sie selbst beeinflussen können. Eventuell ist Ihr Auftraggeber bereit, mit Ihnen eine Zielvereinbarung zu finden, an die eine Gehaltserhöhung geknüpft ist.“

Zeigen Sie Ihre Argumente für eine Gehaltserhöhung auf und warten Sie ab, was Ihr Arbeitgeber dazu sagt. Wenn alles klappt, ist das toll für Sie. Sollte Ihr Anliegen abgelehnt werden, fragen Sie nach, was Sie tun könnten, um eine Gehaltserhöhung zu bekommen. Möglicherweise können Sie bereits ein neues Gespräch für in einigen Monaten vereinbaren? Vielleicht lässt sich Ihr Arbeitgeber auch auf eine leichte Lohnerhöhung nach einer bestimmten Zeitspanne ein? Wenn Sie allerdings nicht so bezahlt werden, wie Sie es verdienen, dann kann es auch Zeit sein, sich nach einer neuen Stelle umzusehen.


Elke Flettner

Über Elke Flettner

Elke Flettner ist studierte Betriebswirtin und hat sich zusätzlich Qualifikationen als SystemCoach (ADG) und Mentaltrainerin (DGCo) erarbeitet. Mit ihrem Unternehmen CoachingArt bietet sie systemische Aufstellungen, Mentaltraining, Coaching und die Ausbildung zum Coach an.



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